So könnte die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) der EnBW in Heilbronn aussehen (weißer Gebäudekomplex vor dem Kühlturm).

So könnte die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) der EnBW in Heilbronn aussehen (weißer Gebäudekomplex vor dem Kühlturm).

Bild: © EnBW/ Fotomontage: SCG-Architekten

Der Energiekonzern EnBW hat dem Gemeinderat in Heilbronn Pläne für den Betrieb einer emissionsarmen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) vorgestellt. Voraussichtlich in fünf Jahren könnte sie den jetzigen Kohleblock ablösen, teilt die EnBW mit.

"Kurz nach dem Standort Stuttgart gehen wir nun in Heilbronn den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung", sagt Georg Stamatelopoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, EnBW. Mit dem Bau einer GuD-Anlage werde die Voraussetzung geschaffen, dass Heilbronn und die Region sicher, nachhaltig und kostengünstig mit Strom und Fernwärme versorgt werden könnten.

Jährlich eine Mio. Tonnen CO2 weniger

Aufgrund der optimalen Brennstoffausnutzung sei die zentrale Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung eine der klimafreundlichsten Formen der Wärmeversorgung, heißt es. Im Vergleich der Brennstoffe soll sich Erdgas deutlich geringer auf die Umwelt auswirken als Kohle – auch unter Berücksichtigung der indirekten Emissionen, die bei der Förderung und dem Transport entstehen.

Die neue GuD-Anlage in Heilbronn soll über eine Mio. Tonnen CO2 pro Jahr und damit rund 50 Prozent der aktuellen Emissionen des Kohlekraftwerks einsparen. "Es gibt keine andere Technologie, die in so kurzer Zeit einen so hohen Beitrag zur CO2-Einsparung leisten kann", betont Andreas Pick, verantwortlich für "Fuel Switch"-Projekte bei der EnBW. Zudem soll der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) im Vergleich zum Bestand um etwa 80 Prozent, der von Schwefeloxiden (SOx) um mehr als 90 Prozent sinken.

Wasserstoffbetrieb als Ziel

Erdgas ist in Heilbronn aber nur für eine Übergangszeit als Brennstoff vorgesehen. Durch Beimischung von Wasserstoff oder anderen grünen Gasen soll die CO2-Bilanz sukzessive weiter verbessert werden. Das anvisierte Ziel ist die Umstellung auf eine hundertprozentige Verbrennung von klimaneutralem "grünen" Gas – wie Wasserstoff – ab Mitte der 2030er Jahre.

"Heilbronn könnte nach dieser Umstellung eine der ersten Großstädte Deutschlands sein, die Strom und Wärme komplett klimaneutral produziert", deutet Pick an. Allerdings stehe Wasserstoff noch nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Der Zwischenschritt über die vorübergehende Erdgasnutzung verschaffe laut Pick die benötigte Zeit, sowohl für den Aufbau einer Transport -und Erzeugungsinfrastruktur für Wasserstoff als auch für weiteres Wachstum bei den erneuerbaren Energien.

Bis zu 500 Mio. Euro

Der Genehmigungsprozess für das Projekt ist dabei zweigeteilt. Zunächst startet die Stadt Heilbronn das Verfahren zur Anpassung des Bebauungsplanes für das Kraftwerksgelände. Im kommenden Jahr will die EnBW dann das im Bundes-Immissionsschutzgesetz festgelegte Genehmigungsverfahren für ihr Vorhaben vorbereiten. Der Antrag kann vermutlich in der ersten Hälfte 2023 beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht werden.

Die Bauphase könnte anschließend im vierten Quartal 2023 beginnen. Voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 wäre der Kohleausstieg in Heilbronn mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage umgesetzt. Das mögliche Investitionsvolumen für den Umstieg von Kohle auf Gas in Heilbronn schätzt die EnBW aktuell auf über 500 Mio. Euro. Die endgültige Entscheidung hängt jedoch vom Ausgang des Verfahrens ab.

Frühzeitiger Dialog

Den aktuellen Stand des "Fuel Switch"-Projekts will die EnBW in mehreren ausführlichen Terminen auch Bürgern, Behörden und Verbänden vorstellen. Dieses frühzeitige Beteiligungsverfahren dient in Baden-Württemberg unter anderem auch der Vorbereitung des Genehmigungsantrags.

Die Stadtverwaltung wird dabei auch die anstehenden Verfahrensschritte im Bebauungsplanverfahren vorstellen. Die EnBW plant außerdem, noch im Laufe des Sommers Informationsführungen auf dem Kraftwerksgelände anzubieten. (jk)

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