Um bis zu 55 Prozent könnten die Investitionskosten für den Ausbau der Netze bis 2030 durch eine netzdienliche, intelligente Nutzung von Flexibilitäten auf Verteilnetzebene gesenkt werden, unterstrich Müller am Dienstag zum Auftakt des BDEW-Fachkongresses "Treffpunkt Netze" in Berlin.
Die Digitalisierung der Verteilnetze, "mehr Köpfchen statt Kupfer", spiele hierbei eine zentrale Rolle und sei Grundlage für neue Geschäftsmodelle von Verteilnetzbetreibern. Neben der Kostensenkung sorge die verstärkte intelligente Nutzung von Flexibilitäten auf Verteilnetzebene auch für mehr Versorgungssicherheit bei der Weiterführung der Energiewende, sei also auch deshalb im Sinne der Verbraucher und im volkswirtschaftlichen Interesse, betonte Müller.
Stärkere Förderung innovative Betriebsmittel über das Benchmarking
Nun sei es überfällig, dass Politik und Regulierer die Innovationsbereitschaft und Innovationskraft der Verteilnetzbetreiber über ausreichend wirksame Anreize stärkten, betonte Müller. Für erforderlich hält sie unter anderem eine ausreichende Verlängerung des Sockelbetrags bei der Anreizregulierung, den Abbau des Zeitverzugs, die Einführung eines Innovationsfaktors sowie die stärkere Förderung innovativer Betriebsmittel über das Benchmarking. Klar sei jedenfalls, dass eine Weiterführung der Energiewende eine Stärkung und Ertüchtigung der Verteilnetzebene erfordere, unterstrich Müller.
Beim Ausbau der Elektromobilität sieht Müller die Herausforderung nicht so sehr im zusätzlichen Strombedarf, sondern in der Netzbelastung durch die Gleichzeitigkeit der Ladevorgänge. Dem könne mit intelligenter Steuerung und zeitversetzter Ladetechnik entgegengewirkt werden. Damit ließen sich die Ladevorgänge verzehnfachen, ohne das Netz zusätzlich zu belasten, so Müller.
Überarbeitung des Steuer- und Umlagensystems alternativlos
Die Chancen der Energiewende für die Netzbetreiber unterstrich Marie-Luise Wolff, BDEW-Präsidentin und Vorstandsvorsitzende von Entega. Hierzu müssten jedoch die Rahmenbedingungen angepasst werden. "Die Überarbeitung des Steuer- und Umlagensystems ist ohne Alternative", unterstrich Wolff, auch damit das Produkt Strom preislich wettbewerbsfähiger werde und Investitionen in intelligentere Netze erleichtert würden. Auch sei eine CO2-Bepreisung in den Sektoren Wärme und Verkehr unverzichtbar, sagte Wolff. (hcn)
