Die Umweltpolitische Digitalagenda des Bundesumweltministeriums (BMU) stelle einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gestaltung eines der bedeutendsten Innovationsfelder der heutigen Zeit dar, sind sich die Wissenschaftler vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) einig.
Die Agenda sehe "vielversprechenden Maßnahmen" wie langlebigere Geräte oder besseres Recycling vor, um ökologische Auswirkungen auf (knappe) Ressourcen zu verringern. Aber es werde der wachsende Stromverbrauch der Digitalisierung nicht ausreichend adressiert, teilte das Institut mit.
Steigender Stromverbrauch fokussieren
"Die meisten wissenschaftlichen Szenarien gehen von moderat bis stark anwachsenden Stromverbräuchen aller digitalen Geräte und Anwendungen aus. Um die Energiewende hin zu 100 Prozent erneuerbare Energien zu schaffen, muss der gesamte Stromverbrauch sinken", merkt Tilman Santarius, Digitalisierungs-Experte am IÖW, an.
Die Agenda liefere zu wenig Ansätze, wie wachsende Stromverbräuche abgemildert werden könnten. Es würden etwa strikte Verbrauchsstandards für Rechenzentren fehlen. Dazu gehörten beispielsweise verbindliche Anforderungen, dass deren Abwärme sinnvoll für die Wärmeversorgung genutzt würde. Oder auch die Forderung, diese mit 100 Prozent Ökostrom zu betreiben, werde außen vor gelassen.
Rebound-Effekte: Anreize schaffen
Auch Rebound-Effekte können das Einsparpotenzial von digitalen Anwendungen schmälern. Florian Kern, IÖW-Experte für Umweltpolitik, macht deutlich: "Die umweltpolitische Digitalagenda erkennt an, dass Digitalisierung auch zu Rebound-Effekten führen kann und das BMU solche Effekte minimieren möchte."
Wie genau Rebound-Effekte reduziert werden sollen, bliebe jedoch unklar, kritisiert er. "Die Agenda verweist sehr unkonkret auf die Notwendigkeit eines politischen Ordnungsrahmens und als einzig konkretes Instrument auf ein 'kommunales Netzwerk für nachhaltige digitale Verkehrswende'." Aus Sicht des IÖW sei es notwendig, wenn Energie- und Ressourceneffizienz gefördert würden, diese mit stärkeren ökonomischen Anreizen zu kombinieren. Denn dadurch würden der Verbrauch und Suffizienz-Strategien reduziert. Die Umweltpolitische Agenda mache keine Vorschläge für Ökosteuern oder andere Instrumente, zeigt er auf. (gun)



