In rund 20 Meter Höhe schimmert ein bläuliches, 230 Quadratmeter großes Rechteck am Getreidesilo der Schneller Mühle im bayerischen Donauwörth. Die Solarfolie mit 120 Elementen soll mit einer Leistung von rund zehn Kilowatt in der Spitze etwa 6700 kWh jährlich produzieren. Die Lechwerke (LEW) haben dazu mit dem Hersteller Heliathek aus Dresden einen Langzeittest gestartet – erstmals auf rauem Beton, in einer solchen Höhe und auf dieser Fläche untersucht.
Die Ergebnisse sollen in die Produktentwicklung angesichts des geplanten Starts der Serienproduktion im kommenden Jahr einfließen. Darüber hinaus versprechen sich die Projektpartner Erkenntnisgewinne zu weiteren Einsatzmöglichkeiten. "Fabrik- oder Lagerhallen beispielsweise verfügen oft über große Fassadenflächen, deren PV-Potenzial bisher viel zu wenig genutzt wird", sagt Martin Krammer, Projektverantwortlicher der LEW.
Vorteile der Folie
Im Vergleich zu herkömmlichen Solarmodulen ist Solarfolie sehr leicht und biegsam. So kann sie auf unterschiedlichsten Fassadenformen und -oberflächen angebracht werden. Anders als bei der kristallinen Solartechnik, wie sie etwa in Dachmodulen verwendet wird, verlieren die Folien, laut LEW, bei hohen Temperaturen außerdem nicht an Leistung. Daher benötigen sie auch keinen Lüftungsabstand zur Kühlung, sondern können direkt auf die Fassadenfläche geklebt werden.
"Unsere bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass Aufwand und Kosten für die energetische Aufwertung von Gebäuden geringer sind als bei herkömmlichen PV-Modulen", erklärt Michael Meißner, Ingenieur Produktentwicklung bei Heliathek. Zudem sei die Umweltbilanz der Folien gut: Sie bestehen aus ultradünnen Schichten organischer, kohlenstoffbasierter Moleküle. Diese werden bei sehr niedrigen Temperaturen auf eine flexible PET-Folie aufgetragen. Giftige Stoffe oder Schwermetalle kommen dabei laut LEW nicht zum Einsatz.
Wie eine Tapete
Die Höhe des Silos der Schneller Mühle sorge dafür, dass es keinen Schattenwurf von umgebenden Gebäuden gebe. Gleichzeitig verspreche die Südausrichtung der Fassade viele Sonnenstunden. "Bei gewöhnlichen PV-Modulen hätten wir aufwendige Bohrungen vornehmen müssen und die hätten das Gebäude womöglich nachhaltig beschädigt", nennt Michael Schneller, Inhaber der Mühle, einen weiteren Vorteil der Folie.
Für den Untergrund, rauer Beton, habe man eine spezielle Grundierung eingesetzt, die die Haftung des Folienklebers unterstützen soll. Ähnlich wie beim Tapezieren wurden die sechs Meter langen und rund 32 Zentimeter breiten Solarfilme anschließend von oben nach unten auf die Fassade gerollt.
Weitere Projekte
Ein ähnliches Projekt gab es bereits im vergangenen Jahr am Duisburger Hafen: Dort brachten Innogy und Heliathek 185 Quadratmeter Solarfolie auf der Metallfassade einer Lagerhalle an. An der LEW-Betriebsstelle in Augsburg-Oberhausen sind Klebefolien auf einer kleinen Fassadenfläche ebenso im Einsatz.
"Wir bieten bereits PV-Lösungen für Privat- und Geschäftskunden an", sagt Martin Krammer von LEW. Allerdings sei es in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dass Projekte wegen Problemen mit der Dachstatik nicht umzusetzen waren. "Mit der Folientechnologie wollen wir künftig die PV-Potenziale von Fassaden oder Dächern mit schwieriger Statik intensiver nutzen und Kunden entsprechende Lösungen anbieten. (sg)



