Deutschlands Krisen-Kraftwerkspark am Strommarkt formiert sich. Am Freitag kündigte Energieerzeuger Steag an, zwei Steinkohlekraftwerke bis April 2024 zurück an den Markt zu bringen und zwei weitere Anlagen länger am Netz zu halten.
Dabei handelt es sich um die saarländische Anlage Bexbach (726 MW), die am 28. Oktober aus der Netzreserve kommen soll. Ihr soll drei Tage später das benachbarte Kraftwerk Weiher (656 MW) folgen. Zudem sollen die Kraftwerke Bergkamen (717 MW) und Völklingen-Fenne (390 MW) nicht wie geplant im November stillgelegt werden.
Uniper betreibt Scholven C länger
Am Standort Völklingen-Fenne betreibt Steag zwei Blöcke. Allerdings ließe der Personalstand von November an keinen Doppelblockbetrieb zu, teilte der Betreiber mit. "Daher wird [dort] nur einer der beiden Blöcke am Netz sein."
Auch der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper kündigte am Freitag an, seinen Steinkohlemeiler Scholven C (345 MW) in Gelsenkirchen länger als geplant weiterzubetreiben. Ursprünglich sollte die Anlage Ende Oktober heruntergefahren werden. Nun soll sie bis Ende April zum Einsatz kommen, wenn es zu ungeplanten Ausfällen bei Scholven B oder dem Fernwärmekraftwerk Buer kommt.
Mehrum und Heyden am Netz
Bereits im August waren mit Mehrum (EPH, 690 MW) in Niedersachsen und Heyden (Uniper, 875 MW) in Nordrhein-Westfalen zwei Steinkohlekraftwerke aus der Reserve zurückgekehrt. Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts lief Mehrum seitdem fast zu 50 Prozent auf Volllast und Heyden zu knapp 30 Prozent.
Dazu kamen fünf Braunkohlemeiler, darunter die RWE-Blöcke Niederaußem E, F und Neurath C sowie die die von der ostdeutschen Leag betriebenen Meiler Jänschwalde E und F.
Strompreise auf Abwärtstrend
Dank weiter sinkender Gaspreise, aber wohl auch beruhigt durch das geschaffene zusätzliche Angebotspolster ging der Strompreis am Freitag weiter nach unten. Schloss das Frontjahrprodukt Cal-23 am Donnerstag noch bei 398 Euro pro MWh, notierte es am Freitagnachmittag nur noch bei 390 Euro pro MWh.
Für das erste Quartal 2023 wurden zuletzt noch knapp 480 Euro pro MWh fällig, für Januar 2023 fast 500 Euro pro MWh. Beide Werte lagen jedoch vor einer Woche noch deutlich höher. Am Monatsanfang hatte das Januarprodukt sogar bei 623 Euro pro MWh gelegen. (aba)



