NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich vor kurzem dafür aus, dass das Steinkohlekraftwerk Datteln IV ans Netz gehen solle. Sonst drohe eine Milliardenentschädigung an den Betreiber Uniper seitens des Bundes. Auch werde der Kohleblock seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, weil ältere Kohlekraftwerke dadurch abgeschaltet würden, argumentierte Laschet weiter.
Nun kommt scharfer Gegenwind vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): BUND-Landesvize Thomas Krämerkämper bezeichnet Laschets Argumentation als "Augenwischerei", wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) zuerst berichtete. Er fuhr fort, dass die Altkraftwerke, die durch das geplante Werk ersetzt werden sollten, "bereits vor fünf Jahren stillgelegt worden seien". Es bestehe "mit hoher Wahrscheinlichkeit" die Option, dass stattdessen klimafreundlichere Gaskraftwerke abgeschaltet würden.
Verfahrene Situation
Der BUND forderte Laschet auf, zur "1:1-Umsetzung der Empfehlung der Kohlekommission der Bundesregierung zu stehen". Die Kommission hatte eine "Verhandlungslösung" gefordert, damit das Steinkohlekraftwerk überhaupt nicht in Betrieb genommen wird, obwohl es bereits gebaut ist.
Trotz der Kritik hält der Stromkonzern und Kraftwerksbetreiber Uniper weiter daran fest: Die sogenannte Netzsynchronisation ist weiterhin für das erste Quartal 2020 vorgesehen, die Inbetriebnahme von Datteln IV dann im Sommer, bestätigt ein Uniper-Sprecher auf Nachfragen der ZfK. Das Steinkohlekraftwerk sollte ursprünglich 2011 ans Netz gehen. Aufgrund zivilgesellschaftlicher Klagen gegen den Bebauungsplan wurde das Projekt im wieder um einige Jahre verzögert. Ab 2018 tauchten zudem Kesselprobleme aufgrund des verwendeten Spezialstahls T24 auf, die bereits bei anderen Kohlekraftwerksprojekten zu Verzögerungen geführt hatten. (ab)



