Im Kampf um den Grundversorgerstatus in der niedersächsischen 40000-Einwohner-Stadt Lehrte fahren die örtlichen Stadtwerke schwere Geschütze gegen den Eon-Konzern auf. Der Kommunalversorger wirft dem Energieriesen vor, dass Eon-Außendienstmitarbeiter trotz Coronakrise und Kontaktbeschränkungen die Bürger an der Haustür vom Abschluss von Strom- und Gaslieferverträgen überzeugen wollen. „Aus Sicht der Stadtwerke hat der Energiekonzern die Lage bis heute wohl noch nicht verstanden“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Jeder bemühe sich, in der aktuellen Situation, Kontakte zu vermeiden und Abstand zu halten. Haustürgeschäfte seien in der derzeitigen Situation unverantwortlich. „Langsam versucht die Politik, die Einschränkungen wieder etwas zu lockern, um ein bisschen Normalität in unseren Alltag zu bringen und den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Muss man aber in der derzeitigen Situation Menschen gefährden und die gerade wieder neu gewonnenen Freiheiten riskieren?“, fragt. Björn Sommerburg, Geschäftsführer der Stadtwerke Lehrte.
Stadtwerke sind seit 2018 Stromnetzbetreiber
Die Akquisitionsbemühungen von Eon an der Haustür laufen laut den Stadtwerken Lehrte schon seit mehreren Monaten. Der Kommunalversorger ist erst seit einigen Jahren im Energievertrieb tätig und setzen hier vor allem auf Ökostrom. Seit 2018 sind sie zudem Stromnetzbetreiber in Lehrte. Laut Björn Rust, dem Vertriebsleiter der Stadtwerke, will Eon mit den gezielten Aktivitäten seinen Grundversorgerstatus in Lehrte verteidigen. "Das erklärt auch die Werbebriefe der Eon Energie Deutschland GmbH, die in den Lehrter Briefkästen vermehrt zu finden sind. Dabei ist es für uns auch sehr interessant, dass in den Briefen weder ein Arbeits- noch ein Grundpreis genannt wird. Lediglich von Bonuszahlungen und Rabatten ist bei Eon die Rede", so Björn Rust weiter. Die Pressemitteilung endet mit einem Appell an die Lehrter Bürger. „Sollten Sie doch in die Falle getreten sein oder Fragen haben, scheuen Sie sich nicht die Stadtwerke Lehrte zu kontaktieren“, heißt es dort.
Eon weist die Vorwürfe zurück. "Auch ohne, dass es hier gesetzliche Vorgaben gegeben hätte, haben wir die persönliche Beratung an der Haustür in der Phase der strengen Ausgangsbeschränkung selbstverständlich pausiert", sagt ein Sprecher auf ZfK-Anfrage. Aufgrund der allgemeinen Lockerungen der Restriktionen, etwa für Geschäfte und Gastronomie, haben man sich entschieden, den Direktvertrieb unter Einhaltung sehr strenger Schutzvorkehrungen wieder zu beginnen.
Eon: "Umfangreiche Hygiene-Vorkehrungen für Direktvertrieb"
Grundsätzlich gelte: "Die Gesundheit und Sicherheit unserer Vertriebspartner und Kunden stehen für uns an erster Stelle. Wir haben deshalb umfangreiche Hygiene-Vorkehrungen für den Direktvertrieb getroffen. Alle Mitarbeiter unserer Vertriebspartner haben eine verpflichtende Hygiene-Schulung zum Thema Coronavirus durchlaufen", versichert der Eon-Sprecher. Sie seien angehalten, stets den Sicherheitsabstand zu Kunden einzuhalten. Die Beratung finde selbstverständlich kontaktlos statt. Die Vertriebspartner verfügten zudem über entsprechende Materialien wie Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel. Beratungsgespräche fänden selbstverständlich immer nur statt, wenn Kunden dies wünschten. (hoe)
(hoe)
