PPAs sind in Europa immer mehr im Kommen. Wie schätzen Sie den deutschen Markt derzeit ein?
„PPAs haben sich durch Kürzungen oder Wegfall staatlicher Förderungen für erneuerbare Energien und die stark gesunkenen Gestehungskosten für Neuanlagen in ganz Europa zu einem Megatrend entwickelt. Deutschland hinkt aktuell noch hinterher: Das EEG mit der darin verankerten Einspeisevergütung hat es für Investoren in erneuerbare Energien in den vergangenen 20 Jahren nicht attraktiv gemacht, sich nach marktbasierten Instrumenten wie PPAs umzusehen. Doch das ändert sich nun: Wir sehen einen klaren Trend, dass sich immer mehr Anlageneigentümer für das Thema PPA öffnen. Auch Stromverbraucher fragen immer häufiger Herkunftsnachweise inklusive physischem Strombezug aus erneuerbaren Produktionsanlagen nach.“
Die Corona-Pandemie hat Deutschland und die ganze Welt nach wie vor fest im Griff. Wie hat sich das auf die Nachfrage nach PPAs ausgewirkt – immerhin binden sich Abnehmer und Lieferant auf Jahre, was Risiko aber auch Sicherheit sein kein.
"Die Pandemie und der damit verbundene zeitweise tiefere Marktpreis haben tatsächlich zunächst die Nachfrage nach PPAs gedämpft. Langsam erholt sich der Markt wieder und die Nachfrage steigt. PPAs bedeuten meist eine längerfristige Bindung und wir sehen klar das Ziel der Abnehmer, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Ein PPA muss für die Abnehmer dabei jedoch nicht gleich auch mehr Risiko bedeuten. Hier kommt es ganz wesentlich darauf an, wie das PPA für den Produzenten und den Abnehmer konstruiert ist und wieviel Risiko bei einem Intermediär von beiden Seiten ausgelagert wird. Dies orientiert sich am Risikoappetit aller beteiligten Unternehmen.“
"Wir wollen zu den drei führenden Unternehmen gehören"
Wie wird sich Ihrer Meinung nach künftig die Nachfrage nach PPAs entwickeln – auch mit Blick auf die erste Welle an Post-EEG-Anlagen die ab diesem Jahr aus der 20-jährigen Vergütung fallen?
„Die Nachfrage nach PPAs wird im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren in ganz Europa weiter zunehmen. In Deutschland steigt sie insbesondere deshalb, weil die ersten Anlagen aus der Förderung fallen. Das Jahr 2021 stellt somit eine wichtige Zeitenwende dar. Hierzulande sind PPAs noch mit vielen Fragen verbunden, weil es für Stromverbraucher, Investoren und Erzeuger ein unbekanntes Terrain ist. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, alle Beteiligten und Interessierten über die Möglichkeiten für PPAs zu informieren. Gerade Besitzer von Anlagen, die aus der EEG-Förderung fallen, tun gut daran, sich schon lange vor dem Auslaufen der garantierten Vergütung zu überlegen, welche Weiterbetriebsmöglichkeiten sich für ihre Anlage eignen.“
Und wie sehen die Pläne der Axpo für die kommenden Jahre im Bereich PPA und Direktvermarktung aus?
„Axpo zählt zu den international führenden Anbietern im Bereich hochkomplexer, massgeschneiderter PPAs in Europa und den USA und hat in vielen Ländern Pionierarbeit geleistet. Besonders in Skandinavien, aber auch in Südeuropa haben wir in den vergangenen 15 Jahren eine stetige Zunahme an PPA-Abschlüssen verzeichnet. Auf diese Erfahrungen können wir auch in Deutschland bauen. Mit dem vorhandenen Know-how in der Beschaffung, Vermarktung und Strukturierung von Energie im deutschen Markt, dem engen Draht zu Industrie, Stadtwerken und Weiterverteilern und der europaweiten Erfahrung sind wir hervorragend für eine führende Rolle im deutschen PPA-Markt positioniert. Wenn die Zeit für PPAs gekommen ist, werden wir unter den drei wichtigsten Anbietern sein."
PPAs sind auch eine Chance für Offshore
Werden PPAs auch für Offshore interessant werden?
„Gemäss einer Studie von Axpo ist in Europa bis ins Jahr 2030 mit einem Zuwachs der installierten Leistung in Höhe von 116 GW zu rechnen. Den Löwenanteil machen mit 50 GW neue Solaranlagen aus, gefolgt von 32 GW Wind Onshore und 25 GW Wind Offshore. Rund 58 Prozent dieser Projekte dürften nach unseren Erkenntnissen offen für PPA sein. Das gilt auch für Offshore PPAs, da die Höhe der staatlichen Förderungen absinkt, was marktbasierte PPAs schon heute ermöglicht. Zudem bieten Offshore-Windanlagen eine höhere Benutzungsstundenzahl, so dass insbesondere große Abnehmer ihren Verbrauch besser über Offshore-Wind werden decken können. Gerade in der aktuellen Diskussion rund um das Thema „grüner Wasserstoff“ wird Offshore in den kommenden Jahren noch starken Rückenwind erfahren.“
Was muss aus ihrer Sicht passieren damit der deutsche PPA-Markt für Abnehmer, wie z.B. Industrieunternehmen, aber auch Projektentwickler attraktiver wird?
„Eine wichtige Voraussetzung für mehr PPAs ist, dass der deutsche Staat marktbasierte Vertragsmodelle explizit unterstützt anstatt die Subventionen zu verlängern. Eine Massnahme, die den Abschluss von PPAs auch für die Industrie ermöglichen und so den Standort Deutschland mit grün kennzeichenbarem Strom wettbewerbsfähiger machen würde, wäre etwa eine staatliche Unterstützung für Industrieunternehmen, welche tatsächlich erneuerbaren Strom beschaffen. So könnte es Erleichterungen bei Abgaben und Steuern geben, wenn ein Betrieb aus Industrie oder Gewerbe ein so genanntes Corporate PPA abschliesst. Dies könnte dazu beitragen, die PPAs in Deutschland zu skalieren und deutschen Unternehmen die Vorteile der Beschaffung von grünem Strom über marktbasierte Instrumente näherzubringen.
Hinzu kommt, dass der Preislevel am Strommarkt beim Abschluss von PPAs sehr wichtig ist. Wenn Erneuerbare zum gegebenen Marktpreis nicht genug Geld verdienen, um der Bank den Kredit zu zahlen, gibt es ganz grundsätzlich ein Problem mit der Realisierung des Projektes. Wir erwarten deshalb mehr PPA-Abschlüsse in einem Umfeld mit einem höheren Strompreis, wenn es keine staatliche Förderung mehr gibt.
Und zuguterletzt ist wie immer bei neuen Geschäftsmodellen die Offenheit, Flexibilität und Kreativität der am PPA-Markt interessierten Unternehmen gefragt.“
Direktvermarktung bleibt bestehen
Werden PPAs die Direktvermarktung irgendwann ablösen – auch mit Blick auf den neuen Regelarbeitsmarkt der mit horrenden Preisen gestartet ist?
“PPAs und die Direktvermarktung sind unseres Erachtens sich ergänzende, nicht aber ersetzende Produkte bzw. Dienstleistungen. In der Direktvermarktung geht es vor allem um die Übernahme sehr kurzfristiger Ausgleichsenergierisiken, wohingegen ein PPA meist längerfristige Risiken adressiert. Beide Betrachtungsweisen bringen eigene Herausforderungen, Risikobereitschaft oder Kapitaleinsatz mit sich und es ist gut, dass Produzenten wie Konsumenten eine Wahl haben, welchen Risiken und Chancen sie sich aussetzen möchten. Auch dieses Beispiel zeigt die Beratungsintensität dieses für Deutschland relativ jungen Geschäftsfelds.“
Die Fragen stellte Lisa Marx.
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