Das AKW im beglischen Huy weist seit Jahren große Sicherheitsmängel auf. Obwohl Experten zum Abschalten raten, erhöhte der Bund seine Aktienbeteiligung.

Das AKW im beglischen Huy weist seit Jahren große Sicherheitsmängel auf. Obwohl Experten zum Abschalten raten, erhöhte der Bund seine Aktienbeteiligung.

Bild: © Oliver Berg/dpa

Während Électricité de France (EDF) ankündigt, dass in acht Anlagen die Bodenverankerung verstärkt werden muss, kämpft Belgien mit komplexen, technischen Problemen im Kraftwerksbetrieb. Laut Hochrechnungen der Berliner Unternehmensberater von Enervis Energy Advisors ergibt sich dadurch ein potenzieller Verlust von 10 GW Leistung, der auch an der Börse nicht unbemerkt bleibt.

"Unsere Modellierungen zeigen, dass die aktuelle Situation einer mehrmonatigen Nichtverfügbarkeit von 10 GW französischer und belgischer Kernkraftwerkskapazitäten erheblichen Einfluss auf das Strompreisniveau im ersten und zweiten Quartal (Q1, Q2) 2019 haben kann", erklärt Mirko Schlossarczyk von Enervis. Die aktuellen Börsennotierungen liegen in Frankreich für Q1 bei 65 Euro pro MWh und für Q2 bei 45 Euro pro MWh. Die Base-Erwartungen Belgien 2019 notieren für Q1 sogar bei 80 Euro pro MWh und für Q2 bei 50 Euro pro MWh.

6.500 MW fehlen im schlimmsten Fall

Vor allem in Belgien spitzt sich die Lage immer weiter zu. Derzeit sind nur zwei von sieben Anlagen in Betrieb. Dank langwieriger Instandhaltungsarbeiten wird das voraussichtlich auch bis Anfang nächsten Jahres so bleiben. In Anbetracht von 2.000 MW verfügbarer Leistung denkt der Übertragungsnetzbetreiber Elia bereits über Stromsperren und geplante Netzabschaltungen nach. Auch in Frankreich ächzen die ersten Versorger unter den Ausfällen. Engie machte aufgrund der Abschaltung von Kernkraftwerken in Belgien einen operativen Verlust (Ebitda) von rund 600 Mio. Euro im dritten Quartal. In den kommenden Monaten könnten in beiden Ländern insgesamt bis zu 6.500 MW Grundlastkapazität fehlen.

Sollten die derzeit fehlenden Kapazitäten auch im ersten Halbjahr 2019 noch nicht am Netz sein, könnte sich der Preis in Frankreich auf 80 Euro pro MWh (Q1) und auf anschließend 50 Euro pro MWh (Q2) einpendeln. Für Belgien prognostiziert Enervis zunächst 78 Euro pro MWh und weiterführend 60 Euro pro MWh. Auch der deutsche Markt würde von der Entwicklung nicht unberührt bleiben, denn Stromexporte in die Nachbarländer könnten für die deutschen Kraftwerksbetreiber positive Mitnahmeeffekte bedeuten. (dpa/ls)

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