Hanwha Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen, der erste Photovoltaik(PV)-Modulhersteller weltweit, der seine Wertschöpfungskette in den Stromvertrieb verlängert, hat seit Anfang April für alle neuen Produkte erste Kunden im Pilotmarkt Deutschland. Dies teilte Kommunikationschef Jochen Endle am Donnerstag der ZfK in einem Pressegespräch auf der Leitmesse Intersolar mit. Kundenzahlen und Namen von energiewirtschaftlichen Dienstleistern nannte Endle nicht.
Q-Cells hatte den Einstieg in den grünen Elektrizitätsvertrieb Ende Februar angekündigt. Er will damit "Komplettanbieter" werden. Endle: "Mit Hardware alleine wären wir langfristig nicht breit genug aufgestellt."
PV-Autarkie aus der Cloud
Q-Cells präsentiert auf der Intersolar über das Modul- und Speichergeschäft hinaus:
- eine Eigenversorgungs-IT aus der Cloud für Besitzer seiner PV-Anlagen mit Speicher
- und für Verbraucher ohne PV-System zwei Grünstromtarife.
Die "Q-Home Cloud" mit der "Q-Home Manager"-Hardware als Energiemanagementsystem (EMS) soll den Eigenverbrauch mit PV-Modul und Stromspeicher von grob zwei Dritteln auf 100 Prozent des Gesamtverbrauchs erhöhen. Für die Nutzung der Software-as-a-Service (SaaS) erhebt Q-Cells eine Monatspauschale. Für den überschüssigen und ins Netz eingespeisten Strom verspricht der Anbieter die volle Einspeisevergütung.
MME für 5 Euro pro Monat und längere Laufzeit
Im Grünstromvertrieb hat Q-Cells zwei Tarife, erläuterte Europa-Marketingleiterin Sinah Sartori: "Q-Energy Basic" und "Q-Energy Smart". Neuartig ist der smarte Tarif, der mindestens zwei Jahre lang läuft statt nur eines Jahres: Q-Cells lässt beim Privatkunden eine moderne Messeinrichtung (mME) von Discovergy installieren. Sie erfasst den Verbrauch stündlich. Dann werden die Bitterfelder auch wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB).
Dafür verlangen sie zum Beispiel in Berlin monatlich 15,07 Euro (brutto) Grundpreis, gut fünf Euro mehr als bei "Basic" mit dem vorgefundenen Verbrauchszähler. Kompliziertere Smart-Meter-Installationen, die aufwändiger sind als bei genau definierten örtlichen Verhältnissen, werden extra berechnet, so Frau Sartori.
Dafür Börsenpreis und 8,1 Cent weniger pro kWh
Dafür floatet der kWh-Verbrauchspreis stündlich mit dem Ergebnis der Day-ahead-Auktion an der Börse Epex Spot: Q-Cells verlangt im Beispiel Bundeshauptstadt nur 19,61 statt 27,7 Cent pro kWh und schlägt dann 1:1 den Day-ahead-Stundenpreis aus der Auktion drauf. Dies soll auch Verbrauchsverlagerungen in die günstigen Stunden und damit niedrigere Stromkosten anreizen, meinte Jochen Endle, zum Beispiel beim Laden des E-Autos oder beim Wärmepumpenbetrieb. "Wir ermöglichen das alles jetzt nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatverbrauchern."
Der Ökostrom stammt aus Erneuerbaren-Anlagen in Deutschland und Österreich, nicht unbedingt aus PV, und wird mit Herkunftsnachweisen unterlegt. (geo)



