Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, hat die Entlastungen des Bundes zu den Netzentgelten gelobt. "Ohne Zuschüsse könnte es zu einer Verdreifachung der Übertragungsnetzentgelte kommen", so die Verbandschefin. "Dies kann dank des Entlastungspakets der Bundesregierung verhindert werden."
Der Schritt dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Netzentgelterhöhungen auf Verteilnetzebene geben werde. "Auch hier wäre eine Entlastung sinnvoll", sagte Andreae. "Die Koalition muss jetzt schnell die rechtlichen Grundlagen für die Zuschüsse schaffen."
Alle zahlen die Netzentgelte
Gestern haben die vier großen Übertragungsnetzbetreiber die geplante Höhe der Nutzungsgebühren genannt, die neben Produktions- und Beschaffungskosten sowie Steuern einen Teil der Rechnung für Endkunden ausmachen. Sie sollen 2023 im Schnitt bei 3,12 Cent je Kilowattstunde liegen.
Der Bund schießt dabei 13 Mrd. Euro zu um, um den weiteren Anstieg der Strompreise zu bremsen und zu verhindern, dass die Stromnetzgebühren im kommenden Jahr stark steigen. "Alle Verbraucher zahlen die Netzentgelte - sowohl die Wirtschaft wie auch die privaten Haushalte", erklärte dazu Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
EEG-Konto plündern
Gerade für die Wirtschaft sei das ein großer Anteil der Stromkosten. Die Netzentgelte drohten sich zu verdreifachen. "Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher", so Habeck weiter.
Zur Zwischenfinanzierung will die Regierung auf Überschüsse auf dem EEG-Konto zugreifen. Auf dem EEG-Konto sind zurzeit rund 17 Mrd. Euro. Auf dem Konto werden Vergütungen und Verkaufserlöse für erneuerbaren Strom gebucht. Wegen der vergleichsweise hohen Strompreise ist das Konto stark im Plus.
Union fordert Industriestrompreis
Auch die Union fordert nach einem angekündigten Milliardenzuschuss des Bundes zu den Netzentgelten weitere Schritte, um die Strompreise zu dämpfen. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Julia Klöckner, sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, vor allem für stromintensive Betriebe müsse es weitere Maßnahmen geben.
"Denn deren Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Arbeitsplätze sind durch die extrem gestiegenen Stromkosten massiv gefährdet", betonte Klöckner. "Die Regierung ist in der Pflicht, endlich ein Konzept für einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis vorzulegen."
Regionale Lieferung muss attraktiver werden
Der Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Markus Jerger, sagte, es sei richtig, dass die steigenden Netzentgelte von der Bundesregierung stabilisiert würden. "Trotzdem müssen wir feststellen, dass die Kosten auch mit Bundeszuschuss für die meisten Verbraucher steigen werden."
Der Eigenverbrauch im Unternehmen und die regionale Lieferung von Strom zwischen dezentralen Erzeugern müssten attraktiver gestaltet werden, um die Netze und damit die Netzentgelte zu entlasten. (jk, mit dpa-Material)



