Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Bild: © Dhahi Alsaeedi/Unsplash

Stark gestiegene Energiepreise haben im Oktober auch auf dem Regelleistungsmarkt zu einem neuen Rekordwert geführt. Nach Angaben des Regelenergieanbieters Next Kraftwerke kam es sowohl in der negativen als auch in der positiven Regelenergie zu Ausnahmewerten.

"Im Mai waren wir noch fest davon ausgegangen, dass das vorerst der teuerste Monat aller Zeiten ist und auch erst einmal so bleiben wird", wird Stromhändler Tobias Frisch in einem vom Unternehmen selbst veröffentlichten Interview zitiert.

Mehrere Gründe für Preishoch

Stattdessen aber sei es im Oktober bei Leistungspreisen in der negativen Regelenergie zu einer Steigerung um etwa 70 Prozent gegenüber dem Mai gekommen. Bei der positiven Regelenergie habe es ein Plus von knapp 100 Prozent gegenüber dem Mai gegeben. "So konstant hohe Preise hat es noch nicht gegeben", bilanziert Frisch.

Der Stromhändler führt die Rekordwerte auf mehrere mögliche Faktoren zurück. Erstens seien Ende September und Anfang Oktober die Gaspreise durch die Decke gegangen. Allgemein herrsche durch die Preisbewegung bei Gas und auch bei CO2-Zertifikaten eine gewisse Unsicherheit am Markt, die dann eingepreist werde.

Wasserkraftwerke ausgefallen

Zudem seien in den ersten Wochen mehrere Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke ausgefallen. Dann sei durch ein Sturmtief am 21. Oktober sehr viel Windkraft eingespeist worden. Dadurch habe es im Netz eine sehr geringe Residuallast gegeben, was die Preise am deutschen Regelleistungsmarkt für die negative Sekundärregelleistung sehr hochgetrieben habe.

Das Preishoch im Frühjahr hatten Marktbeobachter zum einen mit teureren Rohstoffen wie Kohle und Gas sowie stark gestiegenen CO2-Preisen und zum anderen mit umfangreicheren Wartungsarbeiten als gewöhnlich ausgeführt.

Abschied erheblicher Kapazitäten

Schon damals hatten Experten wie Christof Petrick vom Regelenergieanbieter E2m vorausgesagt, dass Preishochs zunehmend zur Normalität werden könnten. "Allein mit dem Atomausstieg werden zwölf Prozent der deutschen Stromerzeugung des Jahres 2020 aus dem Markt gehen", erklärte Petrick der ZfK.

"Dazu kommen immer mehr Stein- und Kohlekraftwerke. Damit verabschieden sich auch erhebliche Kapazitäten aus den Regelenergiemärkten. Allein durch den Atomausstieg fallen 370 MW in der Sekundärregelreserve weg."

Künftig weiter extreme Leistungspreise?

Auch Next-Kraftwerke-Stromhändler Frisch kann sich gut vorstellen, dass es angesichts eines Strommarkts, der sich massiv umgestalte, künftig weiterhin extreme Leistungspreise am Regelleistungsmarkt geben werde.

Und wie sieht es zurzeit aus? "Man merkt schon, dass die Preise langsam wieder runtergehen", wird Frisch zitiert. "Sie sind aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau – für November stehen wir gerade bei 51 Euro (durchschnittlicher Leistungspreis pro Zeitscheibe pro MW in der negativen SRL)." (aba)

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