Julia Prescot, Vorsitzende von Neuconnect, neben Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, der am zukünftigen Anlandepunkt der neuen Stromleitung Neuconnect ein Stück des Kabels in den Händen hält.

Julia Prescot, Vorsitzende von Neuconnect, neben Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, der am zukünftigen Anlandepunkt der neuen Stromleitung Neuconnect ein Stück des Kabels in den Händen hält.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Der Handel von erneuerbaren Energien zwischen Deutschland und Großbritannien wird künftig deutlich einfacher. Dafür sorgt ein neues Unterseekabel, das die Energienetze beider Länder miteinander verbindet. Nach jahrelanger Planung hat nun in Wilhelmshaven die Bauphase für eine erste Leitung durch die Nordsee begonnen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem "wirklich großen Projekt", das auch Schwerpunktregionen der Windstromerzeugung der beiden Länder miteinander vernetze. Vor allem überschüssiger Windstrom, der in der deutschen Nordsee produziert wird, bislang aber wegen Engpässen im Stromnetz an Land nicht weitertransportiert werden kann, könnte über das Seekabel nach Großbritannien exportiert werden. Das Vereinigte Königreich importiert zurzeit mehr Strom als es exportiert.

Günstigere Strompreise

Die mehr als 700 Kilometer lange Leitung mit dem Namen Neuconnect soll demnach bis zu 1,4 Gigawatt (GW) Strom in beide Richtungen transportieren können. Stromautobahnen zwischen Ländern, auch Interkonnektoren genannt, können nach Angaben der Bundesnetzagentur die Energiesicherheit verbessern und den Wettbewerb ankurbeln, was zu günstigeren Strompreisen führen kann.

Direkte Verbindungen zwischen Strommärkten vergrößern laut der Behörde die Absatzmöglichkeiten. Die Länder könnten so wechselseitig von den jeweils günstigsten Erzeugungsbedingungen profitieren. Deutschland verfügt zurzeit über 54 solcher Interkonnektoren, 16 weitere werden geplant.

Ohne staatliche Subventionen

Die Planungen für das neue Projekt hatten bereits Ende 2016 begonnen. In Großbritannien liefen die Bauarbeiten bereits an. Das Kabel, das weitgehend durch die Nordsee verläuft, soll 2028 in Betrieb gehen. 

Die Neuconnect-Vorsitzende Julia Prescot sagte, für die Umsetzung der Energiewende brauche man privatwirtschaftliche Investitionen. Die Investitionskosten von knapp drei Mrd. Euro für das Projekt werden demnach von einem internationalen Konsortium getragen. Beteiligt sind etwa der französische Investor Meridiam, die Allianz Gruppe und die japanischen Energieversorger Kansai Electric Power und Tepco sowie ein Konsortium von mehr als 20 Banken. Staatliche Subventionen fließen nach Angaben der Projektgesellschaft nicht.

Exportpotenzial steigt

"Die britische Insel ist schon jetzt der zweitgrößte Offshore-Windmarkt der Welt nach China", sagte Marc Lehnfeld von der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) der Deutschen Presse-Agentur in London. Bisher sei Großbritannien zwar noch Nettostromimporteur. Allerdings wolle die britische Regierung die Kapazität bei Offshore-Wind bis 2030 von 15 auf 50 Gigawatt (GW) deutlich erhöhen. Damit treibe sie auch das Exportpotenzial an, so Lehnfeld. 

Auch deutsche Unternehmen mischen auf dem britischen Offshore-Windenergiemarkt mit. "RWE gehört mit derzeit zehn laufenden und neun geplanten Offshore-Wind-Projekten zu den größten Entwicklern im Land", sagte Lehnfeld. "Auch EnBW entwickelt derzeit drei Offshore-Windfarmen an der britischen Küste."

Weniger Abregelung

"Aufgrund des schleppenden Ausbaus der Stromerzeugung aus Windenergie bei uns, ist zu erwarten, dass sich Deutschland zumindest mittelfristig von einem Strom-Exportland zu einem Strom-Importland entwickeln wird, wie es bereits 2023 der Fall war", sagt auch Harald Bradke, Vorsitzender des Interdisziplinären Gremiums Klimaschutz und Energiewende im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Dies geschehe allerdings nicht aus Gründen der Versorgungssicherheit, sondern "weil unsere Nachbarn – vor allem im Norden Europas – günstigen Windstrom anbieten konnten und somit die teureren fossilen deutschen Kraftwerke nicht benötigt wurden".

Bis die "Stromautobahnen" vom Norden in den Süden Deutschlands fertig ausgebaut seien, werde auch deutscher Windkraftstrom nach Großbritannien fließen und müsse bei einem hohen Windstromangebot an den deutschen Küsten nicht mehr abgeregelt werden, so Bradke weiter. "Dies führt zu einer finanziellen Entlastung der deutschen Stromkunden." Auf längere Sicht sei jedoch zu erwarten, dass Windkraftstrom aus großen Windparks vor Schottland günstigen Strom nach Deutschland liefern werden, insbesondere, wenn an der deutschen Nord- und Ostsee Flaute herrsche. (jk mit dpa)

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