Eine Koordinierung der Planungen würde für alle Nordsee-Anrainerstaaten Kostenvorteile von 30 Prozent bringen, sagte Tennet-Chef Tim Meyerjürgens.

Eine Koordinierung der Planungen würde für alle Nordsee-Anrainerstaaten Kostenvorteile von 30 Prozent bringen, sagte Tennet-Chef Tim Meyerjürgens.

Bild: © Peter Steffen/dpa

Deutschland will bis zum Jahr 2050 keine schädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen. Um dieses Klimaschutzziel zu erreichen, muss die Offshore-Windenergie Studien zufolge viel schneller ausgebaut werden als bisher. "Dafür brauchen wir unbedingt eine international koordinierte Planung", sagte der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, Tim Meyerjürgens, am Dienstag in Hannover. Er präsentierte im Namen des Konsortiums "North Sea Wind Power Hub" erste Ergebnisse von Machbarkeitsstudien, Untersuchungen und Tests zu Strom-Verteilkreuzen in der südlichen Nordsee.

Eine koordinierte Planung würde Kostenvorteile von 30 Prozent für alle Nordsee-Anrainerstaaten bringen, betonte der Tennet-Chef. Auf Zahlen, wie viel das Milliardenprojekt kosten werde, wollte er sich nicht festlegen. Europaweit waren Ende vergangenen Jahres 13 Gigawatt Offshore-Windenergie installiert. Für den Umstieg komplett zu erneuerbaren Energien sind bis zu 180 Gigawatt im Jahr 2045 in der Nordsee notwendig. Wenn man die erneuerbaren Energien an Land hinzuzähle, könnten dann alle Bewohner Zentraleuropas mit umweltfreundlicher Energie versorgt werden, sagte Meyerjürgens.

Europäisches Konsortium

Zu dem Konsortium gehören auch Netzbetreiber aus den Niederlanden und Dänemark wie Energienet und Gasunie sowie der Hafen von Rotterdam. Zum Start vor zwei Jahren hatte den Planern ein einziges riesiges Windenergie-Verteilkreuz im Bereich der Doggerbank in der Nordsee vorgeschwebt. Jetzt erscheint der schrittweise Ausbau von etwa 12 Strom-Verteilkreuzen mit jeweils 10 bis 15 Gigawatt Kapazität praktikabler. Diese könnten auf Plattformen, Setzkasten-Inseln oder Sandinseln gebaut werden, hieß es. Im Moment werde eine Plattform-Lösung favorisiert.

Die Experten untersuchten auch Szenarien für die Strom-in-Gas- sowie Strom-in-Wasserstoff-Umwandlung auf See und an Land. Im Rahmen des Pilotprojektes soll in den 2030er-Jahren an Land Strom in Gas umgewandelt werden. Dies helfe, Engpässe im Stromübertragungsnetz zu überwinden, sagte Meyerjürgens. Bei einer Offshore-Umwandlung könnten künftig zum Beispiel Schiffe auf See betankt werden.

Unterstützung der europäischen Politik

Jetzt seien die politischen Entscheidungsträger am Zug, betonte er. Das Konsortium hoffe zunächst auf Gespräche der Regierungen Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande. "Wir sind auch daran interessiert, die Diskussion über die Beteiligung anderer Nordseeländer wie auch der Übertragungsnetzbetreiber Großbritanniens und Norwegens zu eröffnen", hieß es. Die Windenergie-Branche unterstütze die Pläne.

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) lieferten 2018 erneuerbare Energien 35 Prozent der Bruttostromerzeugung in Deutschland. Zwar wurden 17 Prozent durch Windenergieanlagen an Land und auf See geliefert, zuletzt stagnierte aber besonders der Offshore-Ausbau. (hp/dpa)

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