So wenig Strom wie noch nie ist dem Energieversorger Bayernwerk am Pfingstmontag abgenommen worden. Nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in Regensburg wurden an dem Feiertag um 14.45 Uhr im Verteilnetz etwa 1500 Megawatt Stromabnahme gemessen. Das entspreche im Vergleich zum Vorjahr einer Halbierung des Verbrauchs. Grund dafür sei unter anderem, dass die Industrie am Feiertag kaum Strom verbraucht habe, viele Menschen draußen unterwegs gewesen und Elektrogeräte in den vergangenen Jahren immer effizienter geworden seien, sagte ein Sprecher.
Dem historisch niedrigen Verbrauchswert habe gleichzeitig eine Rekordeinspeisung an Solarenergie ins Höchstspannungsnetz gegenübergestanden, hieß es weiter. So habe zwischen 8 und 18:30 Uhr der Eigenversorgungsgrad im Netzgebiet Bayerns bei 100 Prozent gelegen.
Negative Preise an der Strombörse
"Seit Beginn der Corona-Pandemie sehen wir in unseren Netzen einen deutlichen Rückgang der Stromabnahme, insbesondere im Industrie- und Gewerbebereich.“ erläutert Egon Westphal, Technik-Vorstand des Bayernwerks. „Gleichzeitig spüren wir den weiterhin hohen Zubau an Photovoltaik-Anlagen. In den vergangen Monaten konnten wir daher immer neue Sonnenstrom-Spitzeneinspeisungen messen.“ Am Pfingstmontag kamen diese beiden Effekte zusammen. Schon um 14:00 Uhr wurde die höchste jemals gemessene Rückspeiseleistung ins Höchstspannungsnetz registriert. "Fast 4000 Megawatt wurden aus dem Netz des Bayernwerks dem europäischen Verbundnetz zur Verfügung gestellt. Ein neuer Spitzenwert.“ konstatiert der Technik-Vorstand.
Überschüssige Energie musste in dieser Zeit sogar abtransportiert werden. Das spiegelte sich auch an der Strombörse wider, wo der Preis am Nachmittag über einen langen Zeitraum negativ war. Damit offenbare die Krise wie unter einem Brennglas, was in Bayern erst in einigen Jahren und bei weiterhin hohem Zubau von erneuerbaren Energieträgern zu erwarten gewesen wäre, so Egon Westphal: "Die Corona-Krise gibt uns die Möglichkeit, bereits heute darüber nachzudenken, wie wir die Energiewelt von morgen gestalten wollen. Wir haben jetzt die Chance, Konzepte für eine regionale Nutzung der regional erzeugten erneuerbaren Energien zu entwickeln. Neue Anwendungen wie zum Beispiel die Elektromobilität und kleine Batteriespeicher in Haushalten stellen dafür gute Optionen dar". (sg/dpa)
