Der Markt für langfristige Stromlieferverträge, so genannte Power Purchase Agreements (PPA), steht in Deutschland relativ am Anfang. Der Erfahrungsschatz der Marktteilnehmer und der Finanzinstitute ist noch begrenzt. Insbesondere im Bereich neuer großer PV-Freiflächenanlagen registriert die UmweltBank eine Zunahme der förderfreien Neuprojekte auf PPA-Basis. Aufgrund des Bedarfs und der laufenden Anfragen hält André Hückstädt, der Leiter der Abteilung Energie und Infrastruktur bei der Nürnberger Direktbank, im kommenden Jahr in Deutschland durchaus eine Realisierung von förderfreien PV-Projekten mit PPA-Finanzierung im Umfang von insgesamt 250 MW für denkbar.
UmweltBank setzt auf Normalisierung des Marktes in den nächsten fünf Jahren
"Die Vergütung am Markt ist aktuell gerade so, dass ich ein solches Projekt über 20 Jahre refinanzieren kann", betont Hückstädt. Als Antwort darauf hat das Institut ein standardisiertes Finanzierungsprodukt für PPA-Projekte entwickelt. Die Kreditvergabe ist dabei an einen fest vereinbarten PPA-Stromabnahmepreis über mindestens fünf Jahre gekoppelt. Das Produkt sieht zudem eine Kreditlaufzeit von maximal 25 Jahren vor – unabhängig von der Dauer eines PPA-Vertrages. Hinzukommt die persönliche Bonität des Kreditnehmers. Die Überlegung dahinter: "Mit dem Abschalten der Atomkraftwerke und eines Teils der verbleibenden Kohlemeiler bis 2024 werden die Preise in der Merit-Order sich an anderen Anlagen orientieren und damit tendenziell steigen. Dann sollte sich der Markt normalisiert haben und auch eine entsprechende Architektur entwickeln, die es dann ermöglicht, solche Projekte langfristig erfolgreich zu betreiben und zu finanzieren", so Hückstädt.
Die Sicherheit bei diesem Finanzierungsprodukt sei "letztlich nur das Projekt". Bei der Vorstellung des Produktes schaue er auch heute immer noch in viele ungläubige Gesichter, so Hückstädt. Es sei aber der Auftrag der Bank und der gesamten Finanzbranche, ihren Beitrag zu leisten, um die Energiewende zu fördern. Dazu gehöre auch, die Realisierung kleinerer und mittlerer Projekte zu unterstützen. "Wir hoffen, dass andere Banken hier nachziehen."
DKB erprobt eigenes Finanzierungsprodukt
Auch die Deutsche Kreditibank (DKB) beteiligt sich bereits an der Finanzierung von PPA-Projekten, versichert Jörg-Uwe Fischer, Fachbereichsleiter Umwelttechnik und Erneuerbare Energien bei der DKB. Ein gesondertes PPA-Finanzierungsprodukt befinde sich bereits in der praktischen Erprobungsphase. "Für große PV-Freiflächenanlagen besitzen PPA bereits heute eine hohe Relevanz“, bestätigt Fischer. Das Finanzierungsinstrument sei jedoch auch schon für den Weiterbetrieb von Windenergieanlagen sehr wichtig, die in den kommenden Jahren nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fielen.
Triodos Bank: "Wenig finanzierungsfähige Projekte"
Eher skeptisch steht die holländische Nachhaltigkeitsbank Triodos dem deutschen PPA-Markt gegenüber. "Momentan gibt es leider zum einen wenige PPA-Projekte, die bereits finanzierungsfähig sind und zum anderen sehen wir eine Divergenz bei dem Risikoprofil und den Margenerwartungen“, sagt Dominic Hereth, Leiter des Teams Energie und Klima bei der Triodos Bank in Deutschland. Das Institut betrachte Margen über zwei Prozent als risikoadäquat. Man wisse aber, dass es andere Banken gebe, die nach Aussagen von Marktteilnehmern günstiger seien und somit anscheinend auch eine andere Risikoeinschätzung hätten als Triodos. "Letztendlich haben wir im Vergleich zum heutigen EEG-Tarif nicht nur ein Marktpreisrisiko, wir haben auch ein Abnehmerrisiko und das Ressourcenrisiko: Sonneneinstrahlung und Windhöffigkeit", betont Hereth.. Dadurch steige die Ausfallwahrscheinlichkeit. "Deswegen sind aus unserer Sicht bisherige Margen unter einem Prozent unrealistisch."
Die Triodos Bank hat bereits in Spanien PPA-basierte Projekte finanziert. Dort seien die Strompreise und die Erträge aus Windkraft oder PV-Anlagen höher. Das Risiko der Banken und Investoren sei dort deshalb entsprechend niedriger als in Deutschland. Triodos arbeitet aktuell an internen Vorgaben zur Besicherung von PPA-Krediten. "Letztendlich läuft alles darauf hinaus, dass während der PPA-Laufzeit mit dem vereinbarten Preis kalkuliert werden kann, sofern der Stromabnehmer bonitätsstark ist oder Bankgarantien vorhält“, so Hereth. Nach Ablauf der PPA-Laufzeit werde die Schuldendienstfähigkeit eines Projekts auf konservativen Marktannahmen und den laufenden Kosten der Projekte basieren.
Erneuerbaren-Ausbau: "Vollgas in Spanien und Holland, Deutschland im Abwärtstrend"
Die Nachhaltigkeitsbank sieht die aktuellen PPA-Diskussionen eher als wenig hilfreich für die Energiewende in Deutschland an. "Dies hat nur zum Teil mit dem höheren Risiko zu tun, als vielmehr mit dem Ausbaupfad der erneuerbaren Energien", so Hereth. Während andere Länder, in denen Triodos aktiv ist, wie die Niederlande und Spanien, gerade "mit Vollgas auf erneuerbare Energien setzen, befindet sich Deutschland trotz noch attraktiver Einspeisetarife bei der Windenergie im Abwärtstrend". Ein zusätzliches Marktpreisrisiko wie bei PPA-Verträgen helfe dementsprechend nicht, die Energie- und Wärmewende im Einklang mit den Pariser UN-Zielen mit Nachdruck zu verfolgen.
GLS Bank hat bisher kleinere PPA-Projekte finanziert
Auch die sozial-ökologische GLS Bank aus Bochum beschäftigt sich intensiv mit PPA. "Wir haben bisher eine kleinere Corporate PPA- und aktuell eine 1,7-Utility-MWp-Freiflächenanlage finanziert“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Die Wunschlaufzeit der Bank für einen festen Stromabnahmevertrag beträgt zehn Jahre, Abweichungen seien vom Einzelfall abhängig. Bei PPA-Finanzierungen gelte das Standard-Sicherheitenpaket für Projektfinanzierungen (dingliche Flächensicherung, Sicherungsübereignung, Abtretung Erlöse und sonstige Ansprüche). Ein standardisiertes Finanzierungsangebot für diesen Bereich gebe es nicht, heißt es weiter. So könne man flexibel auf Projekte und Rahmenbedingungen eingehen.
Die Entwicklungsperspektiven im deutschen PPA-Markt hingen von den weiteren Entwicklung der Rahmenbedingungen ab, teilt die GLS Bank mit. "Mittelfristig erscheinen uns Möglichkeiten zunächst für PV ab einer Mindestgröße realistisch. Bei Windenergie bei Ü-20-Anlagen im Hinblick auf Repowering“, so die Sprecherin der GLS Bank. Langfristig kämen weitere Bereiche in Frage, alles steht in Abhängigkeit der CO2-Preisentwicklung.
BayWa r.e: "PPA können auch für kleinere Stadtwerke interessant werden"
"Der Markt für PPA wird sicherlich stark wachsen, wenn alle Akteure erfahrener werden und zugleich die Anzahl der Projekte steigt. Mittelfristig kann dieses Instrument der langfristigen Sicherung von Cash-Flows für eine PV, perspektivisch auch Wind-, Anlage daher auch für mittlere oder kleinere Stadtwerke mit guter Bonität interessant werden“, ist Andrea Grotzke, Global Director of Energy Solutions bei BayWa r.e, überzeugt. Der Projektentwickler und Dienstleister aus dem Erneuerbaren-Bereich geht davon aus, dass mit einer steigenden Anzahl an Projekten außerhalb des EEG in Deutschland zunehmend auch Banken auftreten werden, die international schon Erfahrung mit PPA-Projekten haben. (hoe)
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Einen ausführlichen Artikel über die PPA-Finanzierungsstrategie der UmweltBank lesen Sie in der Dezemberausgabe der ZfK, die Anfang dieser Woche erschienen ist.
