Die Energiewende gehört zu den Wirtschaftsbereichen mit guten Jobaussichten.

Die Energiewende gehört zu den Wirtschaftsbereichen mit guten Jobaussichten.

Bild: © Christian Charisius/dpa

Monatliche Entwicklung der EEG-Konto-Bilanz zwischen 2016 bis 2021.Grafik: © Energy Brainpool

Der Preisverfall auf dem Energiemarkt im Jahr 2020 wirkte sich auch auf das EEG-Konto aus. Dessen Einnahmen werden aus der EEG-Umlage generiert, die Ausgaben fließen in die EEG-Marktprämie und EEG-Festvergütung. Getrieben durch das extrem niedrige Strompreisniveau konnten die Erzeuger erneuerbarer Energien in 2020 nur geringe Vermarktungserlöse erzielen. Die Ausgaben für Marktprämie und Festvergütung stiegen dadurch deutlich, sodass der EEG-Kontostand zum Ende des Jahres 2020 auf über 4,3 Milliarden Euro ins Defizit rutschte.

Kontroverse Diskussion im Wahlkampf

Um einen starken Anstieg der EEG-Umlage zu verhindern, griff der Bund im Zuge des Corona-Konjunkturpakets mit einer Unterstützung von 10,8 Milliarden Euro ein. Damit wurde die EEG-Umlage für das Jahr 2021 um 31.51 Euro pro MWh auf letztendlich 65 Euro pro MWh gesenkt. Außerdem flossen im Januar dieses Jahres 5,1 und im Mai drei Milliarden Euro Steuergelder direkt auf das EEG-Konto, um das bestehende Defizit auszugleichen.

Angesichts dieser finanziellen Belastung wurde die EEG-Umlage im Wahlkampf kontrovers diskutiert. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass die gegenwärtig explodierenden Rohstoff- und Strompreise auch diese Situation gehörig auf den Kopf stellen. 

Preisrekorde an Kohle-, CO2- und Gasmärkten verändern die Situation

Am 15. Oktober 2020, zum Veröffentlichungszeitpunkt der EEG-Umlage 2021, notierte der Frontjahresfuture für Strom an der EEX bei 39.67 Euro pro MWh.  Getrieben von Preisrekorden auf den Kohle-, CO2- und Gasmärkten hat er sich seitdem nahezu verdoppelt. Dies schlägt sich wiederum auf die Erlöse der erneuerbaren Energien nieder.

Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber lag der Marktwert für Onshore-Windkraft im August bei 72,53 Euro pro MWh, und damit erstmals über der 70-Euro-Marke. Die Windkraft auf See und PV erreichten mit 75,31 EUR pro MWh und 76,81 EUR pro MWh die höchsten Marktwerte jemals. Hinzu kommt außerdem, dass das Kalenderjahr 2021 bisher eine deutlich geringere Windeinspeisung als das Vorjahr aufweist (-17 Prozent in den ersten acht Monaten).

Situation hat sich komplett gedreht

Aus Sicht der EEG-Förderung dreht sich nun also die Situation des letzten Jahres um. Erneuerbare Energien erzielen an den Strombörsen sehr hohe Vermarktungserlöse. Der über das EEG-Konto zu leistende Förderanteil sinkt deutlich. Die geringere Gesamtmenge an erneuerbarer Energie verstärkt diesen Effekt, da dementsprechend weniger Strom mit Förderanspruch ins Netz fließt.

Betrachtet man den EEG-Kontostand im zeitlichen Verlauf, lässt sich nach dem Einbruch im Jahr 2020 ein deutlicher Anstieg erkennen, wobei die hohen Salden im Januar und Mai maßgeblich durch die Bundeszuschüsse getrieben sind. Allerdings zeigt sich mit einem genauen Blick auf die aktuellen Daten jetzt schon, wie sich die stark steigenden Strompreise auf das EEG-Konto auswirken.

Noch nie war der Kontostand im August so hoch wie dieses Jahr

Auch abzüglich der Sonderzuschüsse kam in den sonst sehr förderintensiven Monaten Mai bis August nur ein minimal negativer Saldo zustande. Im August wurde das erste Mal seit 2014 ein positives Nettoergebnis von über 200 Millionen Euro erzielt. Mit dem historisch höchsten August-Stand von 4,7 Milliarden Euro startet das EEG-Konto nun in die bilanziell einnahmestarken Winterquartale.

Sollte auf den Großhandelsmärkten für Gas, Kohle und Strom kein fundamentaler Kurswechsel eintreten, ist in den kommenden Monaten mit deutlichen Überschüssen auf dem EEG-Konto zu rechnen. Der Strom-Future für das vierte Quartal notierte an der EEX am 21. September bei 152 Euro pro MWh, damit 69,80 Euro über dem Endabrechnungspreis des Augusts. Schon die Septemberbilanz des EEG-Kontos wird Aufschluss darüber geben, wohin die Reise gehen kann.

Deutliche Reduzierung der EEG-Umlage wird erwartet

Mit einem Wert von über 110 Euro pro MWh für das Frontjahr liegt eine deutliche Reduzierung der EEG-Umlage für das Jahr 2022 nahe. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ging in einer Einschätzung vor einigen Wochen von einer Reduktion der EEG-Umlage um bis zu einem Drittel aus.

Dennoch werden viele Versorger in den nächsten Monaten die Strompreise für Endkunden erhöhen. In der dann anstehenden Diskussion sollte berücksichtigt werden, dass dieser Preisanstieg eben nicht durch die EEG-Förderung zustande kommt, sondern durch die Großhandelspreise.

(Der Autor dieses Gastbeitrags, Calvin Triems ist Mitarbeiter des Berliner Beratungs- und Analysehauses Energy Brainpool)

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