EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Bild: © Virginia Mayo/AP/dpa

Die Stromnachfrage in der Europäischen Union könnte 2023 das zweite Jahr in Folge sinken und auf den tiefsten Stand seit zwei Jahrzehnten fallen. Dies geht aus einem neuen Marktbericht hervor, den die Internationale Energie-Agentur, kurz IEA, diese Woche veröffentlichte.

Die Experten prognostizieren für dieses Jahr einen EU-weiten Stromverbrauch von 2570 TWh. Das sind drei Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Für 2024 erwarten sie hingegen wieder einen leichten Anstieg auf 2612 TWh.

Nächster Wert seit 2002

Zum Vergleich: Ähnlich niedrige Werte wie in diesem Jahr wurden zuletzt 2002 gemessen, als Gerhard Schröder noch Bundeskanzler war und US-Präsident George W. Bush sein Land auf den Irakkrieg vorbereitete. Im Jahr 2021 wurden nach IEA-Angaben noch 2736 TWh Strom verbraucht.

Dabei elektrifiziert sich der Mobilitäts- und Wärmesektor in Europa zunehmend. Sowohl für Elektrowagen als auch für Wärmepumpen meldet der IEA Rekordzahlen.

Weiter hohe Energiepreise

Dagegen hätten sich die energieintensiven Industrien noch nicht vom Einbruch des vergangenen Jahres erholt, schreiben die Experten. Fast zwei Drittel des Rückgangs führen sie darauf zurück. Demnach würden etwa Stahl- und Aluminiumbetriebe noch immer unter den hohen Energiepreisen leiden. So wären die europäischen Stromgroßhandelspreise trotz Abwärtstrend noch immer mehr als doppelt so hoch wie 2019.

Zwar hätten einige Unternehmen in der Stahlindustrie ihre Produktion wieder hochgefahren. Etwa im Aluminiumsbereich hätten zeitweise Produktionskürzungen jedoch zu dauerhaften Standortschließungen geführt. Als Beispiele nennt die IEA den slowenischen Aluminiumhersteller Talum und den slowakischen Konkurrenten Slovalco.

EU am "Scheideweg"

Dazu kommt, dass politische Entwicklungen im Ausland die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zusätzlich herausfordern. Gemeint ist etwa das US-Konjunkturprogramm IRA, das der Kongress im vergangenen Jahr verabschiedete und Nordamerika für industrielle Neuansiedlungen attraktiver machen soll. Auch japanische und chinesische Wirtschaftsprogramme werden genannt.

Die Europäische Union stehe am "Scheideweg", schreibt die IEA. "Der Ausgang aktueller politischer Diskussionen könnte über die Zukunft der energieintensiven Industrie [in Europa] entscheiden."

Wachstumsmotoren China und Indien

Eine deutlich höhere Stromnachfrage wird in den aufstrebenden Industrienationen China und Indien erwartet. Chinas Stromverbrauch könnte demnach 2023 und 2024 im Vergleich zum Vorjahr um jeweils fünf Prozent steigen. Damit würde die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt nahezu auf die Wachstumsrate der Jahre 2015 bis 2019 zurückkehren.

Indiens Stromverbrauch könnte 2023 und 2024 sogar um mehr als sechs Prozent nach oben gehen. Damit würde das bevölkerungsreichste Land der Erde die durchschnittliche Wachstumsrate der Jahre 2015 bis 2019 um mehr als einen Prozentpunkt übertreffen. (aba)

Hinweis: Den Report in Gänze können Sie hier nachlesen.

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