RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

Bild: © RWE

RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz hat vor einer zu schnellen kompletten Stilllegung von Kohlekraftwerkskapazitäten gewarnt. "Entscheidend für das Einsparen von Kohlendioxid ist ja nicht das Abschalten von Kraftwerken, sondern die Kraftwerke immer weniger laufen zu lassen", sagte Schmitz am Dienstag auf dem Energie-Gipfel des "Handelsblatts" in Berlin. "Gleichzeitig aus der Kohle und der Atomkraft auszusteigen verkraftet das System nicht", erklärte der RWE-Chef weiter.

Im Zuge des sukzessiven Kohleausstiegs würden die konventionellen Energieträger weiterhin benötigt, allerdings ändere sich ihre Rolle. Angesichts einer riesigen Bandbreite bei der Stromerzeugung durch Erneuerbare von temporär 5 bis 70 Prozent führe am Einsatz fossiler Kraftwerke auf absehbare Zeit kein Weg vorbei." Und es ist ein Ammenmärchen, dass Kohlekraftwerke die schwankende Ökostromerzeugung nicht flexibel abfedern können", sagte Schmitz weiter.

"Ein immer stärker reguliertes System"

Im derzeit geltenden Strommarktdesign gebe es keine Anreize, die von der Politik ins Spiel gebrachten Gaskraftwerke als Backup-Lösung für die Erneuerbaren zu bauen, betonte der RWE-Vorstandschef. Denkbar seien hier Ausschreibungen für notwendige Kapazitäten. "Es wird ein immer stärker reguliertes System werden – und es wird nicht billiger", so Schmitz.

Mit Blick auf Kompensationszahlungen für von der Bundesregierung veranlasste Stlllegungen von RWE-Kohleblöcken, verwies der Manager auf die Erfahrungen des Konzerns mit der Sicherheitsreserve. In diesem Fall seien aber Tagebaue nicht betroffen gewesen. "Es wird deshalb deutlich mehr sein als bei der Sicherheitsreserve", erklärte Schmitz.

Baerbock: Haben ein Jahr verloren

Auf einer Podiumsdiskussion forderte Grünen-Chefin Annalena Baerbock, bis zum Jahr 2022 mehr als 7 GW Kohlekraftkapazitäten stillzulegen. Die während der Jamaika-Koalitionsverhandlungen bereits vereinbarten 7 GW hätten sich auf eine Stilllegung bis 2020 bezogen. "Inzwischen haben wir aber ein Jahr ohne jeden Fortschritt verloren, deshalb müssen es jetzt mehr sein", betonte Baerbock. Die von der Kohlekommission in Kürze festgelegten Eckpunkte für den Ausstieg dürften zudem nicht mehr hinterfragt werden. "Sonst geht das Vertrauen in die Arbeit der Kommission verloren", sagte Baerbock weiter.

Stanislaw Tillich, Co-Vorsitzender der Strukturwandel-Kommission, betonte hingegen, es sei Konsens in dem Gremium, in den Ausstiegs-Pfad für die Kohle Prüftermine einzubauen, an denen der Zwischenstand und die weitere Vorgehensweise überprüft werden sollten. (hil) 

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