Von weitem fällt der schwimmende Solarpark Sekdoorn bei Zwolle kaum ins Auge. Erst in Ufernähe des mehrere Hektar großen Sandabbausees sind die Photovoltaikmodule auf der Wasserfläche zu erkennen. Sie sind mit einer patentierten Unterkonstruktion in Dreiecksform auf Schwimmkörpern montiert. 13.330 Megawattstunden soll die 14,5 Megawatt starke Anlage mit insgesamt 39.544 Solarmodulen jährlich liefern, wenn sie bis in eineinhalb Wochen vollends fertiggestellt ist. Gebaut wird sie von BayWa r.e. Die Münchener sind in Holland über das Unternehmen Groenleven aktiv.
Doch herrscht noch reges Treiben auf dem Montageplatz für die "Solarboote", auf welche jeweils 12 Photovoltaikmodule mit je 370 bis 385 Watt Leistung und Glasscheiben auf der Vorder- und Rückseite montiert sind. In Windeseile montieren und stecken geschulte Bautrupps die vorkonfigurierten Komponenten zusammen und schieben sie dann über eine Rampe ins Wasser. Dann werden sie im Schlepptau von Motor-Schlauchbooten an die anderem "Solarboote" in Reihen angedockt und diese dann in Blöcken zu dem kompletten Park. Zwischen den Blöcken sind jeweils begehbare schwimmende Wechselrichter-Straßen mit 110-kV-Transformatoren montiert. Der Starkstrom der Anlage wird dann über gebündelte Leitungen, die durch schwimmenden Rohre geschützt sind, zu einer vorgesehenen Umspannstation ans Ufer geleitet. Für den Blitzschutz gibt es mehrere Erdungen.
Hoher Vorfertigungsgrad und einfache Begehbarkeit entscheidend
Über 60 Stahlseil-Anker, die am Ufer befestigt sind, stabilisieren den schwimmenden Park. "Wenn es hier richtig windet, können die Wellen bis zu einem Meter hoch werden", sagt Edgar Gimbel, Technischer Direktor bei BayWa r.e. Um den Solarpark davor zu schützen, sind zur offenen Seeseite hin Wellenbrecher aus Kunststoffrohren montiert. Auch wenn der Wind kräftig weht, bewegen sich die Arbeitswege zwischen Solarmodulreihen und Wechselrichtern nur unmerklich und können normal begangen werden. "Eine leichte Begehbarkeit der Anlage ist sehr wichtig, um diese im Bedarfsfall einfach und sicher warten zu können", betont Gimbel. Für eine möglichst einfache und schnelle Montage des Parks seien zudem ein hoher Vorfertigungsgrad, der modulare Aufbau und eine möglichst einfache und sichere elektrische Verkabelung entscheidend.
Großen Wert legte BayWa r.e. auch auf den Schutz der Gewässerökologie: Die Solarmodule haben einen ausreichenden Abstand zur Wasserfläche, um den Wasseraustausch zu gewährleisten und eine Eutrophierung zu verhindern. Zudem können Wasservögel unter den Modulen schwimmen. Entwickelt wurde die Unterkonstruktion in Zusammenarbeit mit dem PV-Stahlbauunternehmen Zimmermann im baden-württembergischen Oberessendorf (Landkreis Biberach/Riss).
Mehrkosten – doch etwas höherer Ertrag sowie Doppelnutzung
Wie sieht es mit Kosten und Ertrag aus: "Die Mehrkosten gegenüber PV-Freiflächenanlagen an Land liegen derzeit noch bei circa 20 bis 25 Prozent", sagt Benedikt Ortmann, verantwortlich für das Solarprojektgeschäft bei BayWa r.e. Doch ist er zuversichtlich, dass diese durch weitere Optimierungen in absehbarer Zeit auf etwa 10 Prozent gedrückt werden können und mittelfristig schwimmende Solarparks kaum teurer sein werden als an Land. Zu Gute kommt den schwimmenden Solarsystemen ein um mehrere Prozentpunkte höherer Ertrag aufgrund der Kühlwirkung des Wassers für die Module bei höheren Temperaturen. Zudem bietet sich vielfach die Möglichkeit der Doppelnutzung: So wird in Sekdoorn der vordere Teil des Baggersees für die Solarstromerzeugung genutzt, im hinteren Teil läuft noch der Sandabbau.
Jedenfalls macht BayWa r.e. Dampf in puncto schwimmende Solarparks: Noch im Oktober soll in den Niederlanden der Bau der mit 27,4 MW bisher größten schwimmenden Anlage starten. Bis im Sommer kommenden Jahres möchte man schwimmende PV-Anlagen mit einer Leistung von 100 bis 150 MW in den Niederlanden betreiben. Finanziert werden solle diese wie in Sekdoorn über die Teilnahme an Ausschreibungen im Rahmen des SDE+ Programms.
Potenzial in Deutschland 10 bis 15 GW auf ehemaligen Bergbauseen
"Auch in Deutschland haben wir erste Kontakte zu Seebesitzern, einem Energieversorger und einem Projektentwickler", sagt Ortmann. Doch seien im Rahmen des derzeitigen Ausschreibungsdesigns schwimmende PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 750 kW in Deutschland eher noch nicht konkurrenzfähig. Doch mit einer weiteren Kostensenkung oder über die Einführung von Innovationsausschreibungen könnte sich dies ändern. Jedenfalls sieht Ortmann auch hierzulande gute Chancen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE jedenfalls bezifferte jüngst das Potential für schwimmende Solarparks in Deutschland allein auf stillgelegten Kohlebergbau-Seen auf 10 bis 15 Gigawatt. (hcn)

