Mit deutlichen Worten hat Wolfang Cieslik, langjähriger Vorsitzender des Vereins der Kohlenimporteure (VDKi), vor drohenden Problemen in der deutschen Versorgungssicherheit gewarnt.
"Eine Crash-Transformation der deutschen Stromversorgung droht", sagte er laut Handout vergangene Woche anlässlich des Neujahresempfanges des Verbands. "Innerhalb von zwei bis drei Wahlperioden soll ein bisher gut funktionierendes System der gesicherten Leistung ohne Kernenergie, Stein- und Braunkohle auskommen. Diese Zeit ist viel zu kurz bemessen."
"Offensichtliche Ungleichbehandlung"
Er sei sehr gespannt, ob sich die von der Politik favorisierte Kapazität von neuen Gaskraftwerken als Backup für die Energiewende realisieren lasse und die Rolle der Steinkohle übernehmen könne, fügte er an.
Der Verband zeige sich in überwiegender Mehrheit über die "offensichtliche Ungleichbehandlung" der Steinkohle bei der schrittweisen Beendigung der Kohleverstromung enttäuscht, referierte Cieslik laut Handout. Nicht die ältesten, sondern überraschenderweise die jüngsten, modernsten und größten Steinkohlenkraftwerke gingen zuerst. Dies sei emissionsseitig nicht nachvollziehbar und würdige in keiner Weise die Leistung der Steinkohle im Hinblick auf die Versorgungssicherheit.
Ausschreibung: Fragwürdiger Anreiz
Konkret nannte Cieslik das Ergebnis der ersten Ausschreibung. Das habe ihn überrascht. "In Hamburg wird mit Moorburg ein fünf Jahre altes Doppelblock-Steinkohlekraftwerk stillgelegt, das nach der ursprünglichen Planung die Fernwärmeversorgung der Hansestadt übernehmen sollte." Das werde nun weiterhin von den Kraftwerken Wedel und Tiefstack übernommen.
Es sei im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz zwar so angelegt, dass Kraftwerke, die in den vergangenen drei Jahren viel CO2 emittiert hätten, weil sie viel Strom produziert hätten, bei der Ausschreibung tendenziell begünstigt würden, sagte er. Aber einem Außenstehenden könne man diesen fragwürdigen Anreiz im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens kaum erklären.
Steinkohle-Welthandel geht zurück
Der Verein präsentierte zudem frische Zahlen zum Jahr 2020. Nach vorläufigen Berechnungen sei die globale Steinkohleförderung 2020 um drei Prozent auf sieben Milliarden Tonnen zurückgegangen, berichtet er. Während die Produktion in China um 100 Millionen Tonnen oder knapp drei Prozent zugenommen und sie sich auch in Indien um rund 20 Millionen Tonnen erhöht habe (ebenfalls knapp drei Prozent), habe die Produktion in allen anderen Ländern mehr oder weniger stark abgenommen. Dies treffe insbesondere für die am Weltsteinkohlenhandel beteiligten Länder zu, die unter dem Corona-bedingten Wirtschaftseinbruch zu leiden hätten.
Der Welthandel mit Steinkohle im Seeverkehr ging nach Angaben des Verbands 2020 Corona-bedingt um knapp elf Prozent zurück. Besonders hart getroffen hat es demnach Kolumbien (-33 Prozent) und die USA (-29 Prozent), die unter dem Nachfragerückgang auf dem atlantischen Markt zu leiden gehab hätten.
Steinkohle: Kanada mit leichtem Plus
Die südostasiatischen Volkswirtschaften erholten sich demnach vergleichsweise schnell von der Corona-Krise. Die Exportrückgänge seien deshalb für Südafrika (- zwei Prozent) und Australien (- sechs Prozent) geringer, weil sie zunehmend diesen Markt bedienten. Die kanadischen Ausfuhren — hauptsächlich Kokskohle — hätten sogar leicht zugelegt (+ drei Prozent). (ab)
