Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) haben pünktlich zur öffentlichen Anhörung der Bundesnetzagentur im Rahmen des §14a ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht: „Steuerbare Verbrauchseinrichtungen im klimaneutralen Energiesystem der Zukunft“.
Die Neuregelung des §14a behandelt, wie die sogennannten steuerbareren Verbrauchseinrichtungen künftig in das Netz integriert werden sollen. Dazu zählen Wärmepumpen, Elektroautos oder Stromspeicher. Erstmals wird dabei ein grundlegendes Konzept beschrieben, wie im Verteilnetz gesteuert werden soll, um Stromausfälle und Überlastungen zu vermeiden.
Hintergrund des Dissens
Umstritten ist vor allem, dass Netzbetreibern im Zuge der Netzstabilität die Möglichkeit eingeräumt werden soll, die genannten Anlagen mit einem Leistungsbezug von mehr als 3,7 Kilowatt in der Niederspannung je nach technischen Möglichkeiten ganz oder auf unter 3,7 kW herunterzuregeln.
Vor allem die Automobilbranche und Wärmepumpenhersteller hatten sich lautstark gegen diesen Schritt ausgesprochen, da sie Komfortverlusten bis hin zu signifikanten Einschränkungen bei der Nutzung von Elektrofahrzeugen befürchteten.
"Zusammenarbeit aller Akteure gewünscht"
Das nun erschienene Positionspapier schlägt moderatere Töne an. Darin heißt es etwa: "Wechselbeziehungen im neuen Energiesystem sind komplex und es gibt noch regulatorische Hürden, auch bei der netzdienlichen Steuerung nach §14a EnWG zur Stabilisierung der Stromnetze. Um die richtigen Mechanismen im Massenmarkt zu etablieren, bedarf es der Zusammenarbeit aller Akteure. Zielführend ist dabei der branchenübergreifende Austausch, wie beispielsweise auf der diesjährigen ISH, der Weltleitmesse für Wasser, Wärme, Luft."
Konstruktive Diskussionen
Dort habe man den beiden Verbänden zufolge "konstruktiv mit Vertretern von Netzbetreibern, Politikberatung und Standardisierung über das Konzept der Bundesnetzagentur zur Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen, kritische Punkte und mögliche Lösungsansätze diskutiert."
Dieter Kehren, Leiter des Forums Digitale Heizung im BDH erklärte dazu: „Wir haben gemeinsame Schnittmengen aller Beteiligten erkannt. Alle sehen das gleiche Zielbild bezüglich der dynamischen Steuerung von Verbrauchern. Es wurde auch deutlich, dass netzdienliche Notfalleingriffe zur Netzstabilisierung Akzeptanz finden könnten, wenn sie durch die Definition von marktlichen Anreizinstrumenten begleitet werden.“
Konkreter Fahrplan zur Einführung variabler Netzentgelte gefordert
Andreas Rade, VDA-Geschäftsführer betone außerdem den Nutzen von variablen Netzentgelten: Damit können "E-Autos netzdienlich geladen und Netzengpässe präventiv vermieden werden. Die Fahrzeuge tragen so zu einer Stabilisierung der Stromnetze und einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung bei. Die Bundesnetzagentur sollte jetzt auch die eigenen Kompetenzen nutzen und einen konkreten Fahrplan zur Einführung variabler Netzentgelte vorlegen.“
Pro intelligente Steuerung
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb VDE FNN machte anlässlich der Anhörung der Bundesnetzagentur auf die Vorteile der intelligenten Steuerung aufmerksam: Dazu gehören die Kosteneinsparungen bei Verbraucher:innen.
Kostenvorteile für Kund:innen
Sollten Kund:innen zu bestimmten Tageszeiten einen Teil ihrer Leistung zur Verfügung stellen, erhalten sie eine finanzielle Vergütung in Form eines reduzierten Netzentgeltes – unabhängig davon, ob sie in der Folge tatsächlich von Eingriffen des Netzbetreibers betroffen sind, unterstreicht VDE FNN.
Zudem müsse eine so genannte Steuerungsmaßnahme immer durch eine konkrete, drohende oder festgestellte Netzüberlastung begründet sein und dürfe nur so lange wirksam sein, wie diese Gefahrensituation andauere. Auch sei der Ladevorgang eines E-Autos damit möglich. Die Mobilität der Nutzer:innen werde nicht eingeschränkt.
Marktliche Instrumente wie variable Stromtarife seien für die Abwehr von lokalen Engpasssituationen im Stromnetz dagegen nur bedingt geeignet, so VDE FNN. Netzbetreiber benötigen demnach für den sicheren Netzbetrieb zusätzlichen Spielraum, um bei absehbaren Engpässen auch präventiv einzugreifen. So könnten die Zahl und die Schwere der Eingriffe in das Netz dauerhaft erheblich reduziert werden.
Maßvoller Ausbau der Netze
Als weiteren Vorteil nannte das Forum, dass sich der Netzausbau auf diese Weise im realistischen Rahmen bewege." Langfristig soll das Stromnetz nach den aktuellen Vorstellungen der BNetzA für die zu erwartende Maximalauslastung ausgebaut werden. Doch das wäre teuer und ist aufgrund langwieriger Planungs- und Bauzeiten kurzfristig nicht machbar. Ohne die Möglichkeit, steuerbare Verbrauchseinrichtungen temporär in ihrer Leistung zu begrenzen bis das Stromnetz ausgebaut werden konnte, können Stromnetzbetreiber in absehbarer Zeit neue Anlagen nicht mehr sicher an ihr Stromnetz anschließen", erklärte VDE FNN. (sg)
