Es soll nur eine Mini-Renaissance sein, aber in ersten Daten der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts zum Monat August ist sie bereits deutlich sichtbar. Die Steinkohle schwang sich demnach zur drittwichtigsten Stromquelle auf Deutschlands Energiemarkt auf – und ließ sowohl Wind- als auch Gasstrom hinter sich.
Grundlage der Angaben sind Zahlen des europäischen Übertragungsnetzbetreiber-Verbands Entso-E, die sich auf die öffentliche Nettostromerzeugung beziehen und teilweise auf Schätzungen basieren.
Braunkohle auf Platz eins, Photovoltaik auf zwei
Demnach landete einmal mehr die Braunkohle mit einem Anteil von 23 Prozent auf Platz eins. Dahinter kam die Solarenergie mit 19 Prozent und dann die Steinkohle mit 13 Prozent. Auf den Rängen vier und fünf folgten Wind mit zwölf und Gas mit elf Prozent.
Zum Vergleich: Im August 2021 lag die Windkraft ganz vorn (21 Prozent), gefolgt von der Braunkohle (20 Prozent) und der Kernenergie (15 Prozent). Photovoltaik belegte Platz vier (14 Prozent) und Biomasse Rang fünf (acht Prozent). Erst dann kam die Steinkohle (sieben Prozent). Diesmal aber machten hohe Strompreise, getrieben von immer neuen Rekorden am Gasmarkt, den Einsatz von Steinkohlekraftwerken trotz ebenfalls hoher Kohlepreise im August durchaus attraktiv.
Mehrum kehrt zurück
Anfang August war zudem das niedersächsische Steinkohlekraftwerk Mehrum mit einer Leistung von 750 MW an den Markt zurückgekehrt. Blockscharfe Daten liegen in der Regel erst mit einem Zeitversatz von fünf Tagen vor und können zum jetzigen Zeitpunkt deshalb noch nicht volllständig ausgewertet werden.
Laut Energy-Charts-Daten brachen die August-Windwerte regelrecht ein – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte. Man muss bis ins Jahr 2015 zurückgehen, um noch niedrigere Erträge zu zu sehen. Insgesamt produzierten Windkraftanlagen diesen August 4,5 TWh öffentlichen Nettostrom.
Gasstrom fast doppelt so hoch wie 2021
Die Steinkohleverstromung dagegen erreichte mit einem Output von 5,1 TWh den höchsten Wert seit 2018. Die Gasverstromung verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast auf 4,4 TWh.
Nicht berücksichtigt sind hier Gaskraftwerke, die nicht ins öffentliche Netz einspeisen. Kraftwerke unterhalb von 100 MW sind zudem nicht meldepflichtig. Deren Erträge werden geschätzt.
Dramatische Lage in Frankreich
Zunehmend dramatisch fällt die Lage bei den französischen Kernkraftwerken aus, die üblicherweise für 70 Prozent des dort produzierten Stroms verantwortlich sind. Im August erzeugten sie nur noch 18 TWh – ein neuer historischer Tiefstand.
Seit Monaten fällt eine Reihe der Anlagen wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten aus. Dazu kamen besonders an heißen Tagen Kühlungsprobleme, weshalb zusätzliche Reaktoren heruntergefahren werden mussten.
Solarenergie auf Rekordhoch
Ihren Anteil deutlich steigern konnte die Solarenergie. Sie erzielte einen neuen August-Rekord und produzierte 8 TWh Nettostrom. Dabei half, dass die Sonne in diesem Jahr von Juni bis August seit Beginn der Aufzeichnungen so oft wie noch nie in Deutschland geschienen hatte, wie der Deutsche Wetterdienst vor Kurzem bekannt gab. (aba)



