Bild: © Zukunft Erdgas

Der Abschlussbericht der Kohlekommission sieht vor, dass bis zum Jahr 2022 insgesamt 7 Gigawatt (GW) Kohlekraftwerksleistung zusätzlich vom Markt gehen. Davon sollen 4 GW Braunkohle sein, vorwiegend ältere RWE-Blöcke aus den 70er und 80er Jahren im rheinischen Revier. Laut einer Kurzstudie des Analysehauses Aurora Energy Research im Auftrag des Verbandes Zukunft Erdgas könnten durch eine höhere Auslastung der Gas- und Steinkohlekraftwerke bis 2023 auch bis zu 9 GW Braunkohle stillgelegt werden ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

"Der bestehende Gaskraftwerkspark ermöglicht somit dem Einstieg in den Kohleausstieg", sagte Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas, während einer Pressekonferenz am Mittwoch auf der E-World in Essen. Würden die von der Kohlekommission kurzfristig angedachten Stilllegungen von Kohlekraftwerkskapazitäten komplett durch Gaskraftwerke übernommen ziehe dies einen zusätzlichen Gasbedarf in Deutschland von rund 81 Terawattstunden nach sich, erklärte Kehler weiter. Die bestehende Gasinfrastruktur sei dafür ausgelegt. Zudem sicherten neue LNG-Terminals und Pipelines die Versorgung ab.

Mehrere Szenarien für die Kraftwerks-Auslastung

Die Bedeutung der Gaskraftwerke werde in den kommenden Jahren erheblich steigen, so Kehler. Allerdings müsse dafür der Kraftwerksbestand vor weiteren Stilllegungen bewahrt werden. Für den Bau neuer Kraftwerke seien bessere Investitionsanreize notwendig, der Energy-only-Markt gebe das nicht her. Ein erster "Silberstreif am Horizont" sei die von der Kommission angeregte Verlängerung der KWK-Förderung über 2025 hinaus. Nach den Berechnungen von Aurora Energy Research waren im vergangenen Jahr die deutschen Gaskraftwerke zu 38 Prozent im Schnitt ausgelastet. Braunkohlekraftwerke waren danach zu über 80 Prozent im Einsatz, Steinkohlekraftwerke zu 40 Prozent.

Für die Auslastung von Gaskraftwerken bei sinkender Braunkohlekapazität hat Aurora Energy Research mehrere Szenarien durchgerechnet. Gingen bis 2023 etwa 9 GW zusätzlich vom Netz stiege die Auslastung von Gaskraftwerken mit wärmebedingter Erzeugung auf 44 Prozent und für typische Gasblöcke ohne Wärmeerzeugung auf 45 Prozent. "Bei Schließungen von Braunkohlekraftwerken zwischen fünf und neun Gigawatt bis 2023 erwarten wir eine ausgeglichene Stromhandelsbilanz", sagte Hanns Koenig, Projektleiter bei Aurora Energy Research.

Börsenstrompreis steigt auf bis zu 50 Euro/MWh

Bei den Börsenstrompreisen gehen die Analysten auch ohne das zusätzliche Abschalten von Kohlekraftwerken angesichts des Atomausstiegs von einem leichten Anstieg bis 2023 auf 46 Euro je Megawattstunde (MWh) aus. Gingen bis zu diesem Zeitpunkt 5 GW Braunkohle vom Netz klettere der Börsenstrompreis auf 48 Euro, bei einem Ausscheiden von 9 GW auf 50 Euro je MWh. Eine Entwarnung mit Einschränkung gibt Koenig bei der Versorgungssicherheit. "In allen Szenarien könnte die inländische Erzeugung die Spitzenlast decken, wenn keine signifikanten Kapazitäten ausfallen", erklärte der Marktexperte. (hil) 

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