Der Ökostrom-Anteil im Unternehmensmix deutscher Versorger ist um bis zu 58 Prozent geringer als offiziell angegeben. Zu diesem Ergebnis kommt das Hamburg-Institut in einem neuen Gutachten im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick.
Die Differenz ergibt sich demnach aus den jetzigen Werten und strengeren Regeln, die sich durch eine Reform des Energiewirtschaftsgesetzes ergeben würde. Ziel ist es, mehr Transparenz bei der Stromkennzeichnung zu schaffen. Noch ist die entsprechende Neuregelung nicht vom Bundestag beschlossen.
Änderung bei Unternehmens-Strommix
Die aktuelle Regelung vermische Angaben zum Stromeinkauf des Versorgers mit einem rechnerisch ermittelten Wert, wie viel EEG-Strom Kunden über die Zahlung der EEG-Umlage finanzieren, heißt es in einer Lichtblick-Pressemitteilung. Diese EEG-Angabe aber habe nichts mit der Stromlieferung zu tun.
Damit wäre nach der Reform wohl Schluss — zumindest beim Unternehmens-Strommix, der den gesamten Stromeinkauf eines Versorgers abbildet. Bei den Angaben zu einzelnen Stromtarifen behält der Gesetzgeber die alte Regelung bei.
30 Versorger untersucht
Das Hamburg-Institut hat 30 Versorger untersucht. Demnach kommt beispielsweise der Karlsruher Energiekonzern EnBW nach aktuellsten Zahlen auf einen Ökostrom-Anteil von 65 Prozent. Nach der Reform wären es 13 Prozent.
Ein ähnliches Bild beim norddeutschen Regionalversorger EWE. Er würde von 51 auf elf Prozent fallen.
EnBW und EWE für transparentere Stromkennzeichnung
EWE begrüße die Überarbeitung der Stromkennzeichnung grundsätzlich, teilt das Unternehmen auf ZfK-Anfrage mit. Denn die derzeitigen Regelungen seien in einigen Fallkonstellationen nicht eindeutig. Wie sich die derzeit noch geplanten Änderungen der Stromkennzeichnung auswirken würden, könne der Versorger aber erst nach einer erfolgten Entscheidung des Gesetzgebers und einer anschließenden Prüfung bewerten.
EnBW teilt mit, dass sie das Bestreben unterstütze, eine für Verbraucher transparente Stromkennzeichnung zu schaffen. Die Zahlen des Gutachtens kommentieren die beiden Unternehmen nicht. (ab)



