Das Kraftwerk Irsching

Das Kraftwerk Irsching

Bild: © Rolf Sturm/Eon

Bis jetzt liegen beide Brennstoffe gleich auf:  Gaskraftwerke sind mit rund 12 bis 14 Prozent am deutschen Strommix beteiligt, während 16 Prozent des Bedarfs über den Einsatz von Braunkohle gedeckt wird. Die aktuelle Studie „Bewertung der Netzsicherheit bei einem Fuel Switch von Braunkohle zu Erdgas in Deutschland in 2020“ der RWTH Aachen zeigt nun: Der Umstieg von Kohle auf Gas kann funktionieren. Dafür müssten die beiden Erzeugungsarten allerdings Rollen tauschen.

Die Erdgasverstromung kann Kohlekraftwerke ersetzten, wenn alle Gaskraftwerke aus der Netzreserve geholt werden. Zu diesem Schluss kommen die Studienautoren im Auftrag des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Auf der Basis von stundenscharfen Verbrauchsdaten und unter Berücksichtigung des aktuellen Strommarktes untersuchte das Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft in Aachen, wie sich ein Fuel Switch auf die Netzstabilität in Deutschland auswirken könnte. Die Hochrechnungen für das Jahr 2020 ergaben, dass die Umstellung auf Erdgas nur dann eine sichere Versorgung gewährleisten kann, wenn Alternativen für die Netzreserveleistung gefunden werden.

 3,6 TWh pro Jahr an Reserveleistung nötig

Eine Möglichkeit wäre Braunkohlekraftwerke in die Bereitstellung von Reserveleistung zu überführen. Derzeit werden Versorgungsengpässe insbesondere durch den Einsatz von Gaseinheiten reguliert. Erhöhen die Gaskraftwerke ihre Auslastung, könnten die Braunkohlekraftwerke mit einer Stromerzeugung von etwa 3,6 TWh pro Jahr Regelenergie bereitstellen. Ohne diese Reserveoption kann das Netz bei einer Gasverstromung nicht stabil gehalten werden. Dabei berücksichtigten die Studienautoren bei ihren Hochrechnungen die reale Lastsituation und die Einspeisung von Erneuerbaren, den Netzentwicklungsplan, die durchschnittliche Wetterlage des Jahres 2012, sowie die verbleibenden und zugebauten Erzeugungskapazitäten.

Für die Bundesregierung wäre die Umstellung auf Erdgas ein Schritt in Richtung Klimaziele. Immerhin könnten rund 70 Mio. Tonnen CO2 vermieden werden, ohne dass zusätzliche Gaskraftwerke zugebaut werden müssen. Dafür kostet Gas auch mehr als Kohle, was Mehrkosten in Höhe von 3,5 Mrd. Euro pro Jahr niederschlägt. Durch Einsparung bei den CO2-Vermeidungskosten wird das Plus an Kosten jedoch zum Nullsummenspiel. Rund 3,6 Mrd. Euro können durch die Reduzierung der Emissionen gespart werde. (ls)

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