Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) möchte mit der Studie Stromspeicher-Inspektion 2018 mehr Transparenz in den Stromspeichermarkt bringen. Sie wurde am Freitag (15. November) in Berlin präsentiert. Insbesondere wollen die Experten das Vorurteil entkräften, dass die Speicherkapazität des Batteriespeichers ausschlaggebend für die Größe der erzielbaren Eigenversorgung sei. Hohe Umwandlungs- und Standby-Verluste von überdimensionierten Speichersystemen schmälern den eigentlichen Nutzen der Stromspeicherung. „Dagegen können kleine, effiziente Speichersysteme erstaunlicherweise sogar eine geringere Stromrechnung am Jahresende ermöglichen“, erklärt Johannes Weniger, Initiator der Stromspeicher-Inspektion. Seine Empfehlung: Beim Speicherkauf sollte demzufolge die Systemeffizienz das wichtigere Auswahlkriterium sein.
Geringe Beteiligung der Hersteller
Überaschend war, dass für die Studie lediglich zehn von 60 ermittelten Herstellern die Untersuchung mit Labormessdaten von unabhängigen Prüfinstituten unterstützten. Somit konnte die Forschungsgruppe 20 Speichersysteme analysieren. Der Systemvergleich basiert auf dem an der HTW Berlin entwickelten System Performance Index (SPI), der alle relevanten Verlustursachen in einer Kennzahl zusammenfasst. Dieser basiert auf einem Effizienzleitfaden. Dieser wurde von zahlreichen Prüfinstituten, Herstellern und Hochschulen unter Federführung des Bundesverbands Energiespeicher (BVES) und des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) herausgegeben.
Drei besonders effiziente Photovoltaik-Speichersysteme konnten einen SPI von knapp über 90 Prozent erzielen. Mit 91,4 Prozent belegt der "Kostal Plenticore plus 5.5 und BYD Battery Box H11.5" Speicher den ersten Platz. Dicht gefolgt vom Speicher "Power Power Storage DC 6.0 und Power Battery 5.7" aus dem Hause RCT. Der mit Platz drei geehrte Speicherhersteller möchte nicht namentlich genannt werden. Das Mittelfeld der Studie ist mit mehreren Modellen klar in der Hand des Herstellers SMA. Mit einem älteren Speichermodell belegt Kostal neben dem Podestplatz auch die Position des Vorletzten. Zwischen Schlusslicht und Sieger liegen 7,7 Prozentpunkte. Die HTW rechnet mit einer Einsparung von 12 Euro jährlich pro Prozent. Das sind beinahe 100 Euro jährlich.
Kein nennenswerter Unterschied zwischen AC und DC Systemtopologie
Eine weitere Erkenntnis der Inspektion ist der ausbleibende Unterschied zwischen DC- und AC-Speichermodellen. Beide Typen schnitten mit einem SPI-Mittel von 88,1 Prozent ab. Somit konnte im Test die Pauschalannahme, dass DC-Modelle effizienter seien als AC-Varianten, widerlegt werden. Dies begründet die Forschungsgruppe vor allem durch Spannungsunterschiede.
Martin Rothert, SMA-Abteilungsleiter Produktmanagement Off-Grid & Storage, ist sich sicher, dass die sichtbaren Ergebnisse nur die Spitze des Eisbergs seien: „Da ist noch ganz viel darunter. Das sind dann keine Speichersysteme mehr, sondern schlechte Stromheizungen an der falschen Stelle.“
Zu hoher Anschaffungspreis für Wirtschaftlichkeit
Kritisiert wird vor allem von Thomas Selzmann, Referent für Photovoltaik der Verbraucherzentrale NRW, der immer noch hohe Anschaffungspreis für Speichersysteme. „Ein Batteriespeicher ist eine ähnliche Investition wie die PV-Anlage. Und ich weiß nicht: Was leistet das Produkt? Systeme ohne Speicher sind aktuell wirtschaftlicher. Pro kWh Speicherkapazität dürfen maximal 500 Euro verlangt werden. Aktuell sind das 1000.“
Kostal und SMA relativieren diese Aussage jedoch: „In den letzten fünf Jahren haben sich die Preise für Speichersysteme um 50 Prozent reduziert. Bezieht man hier noch die gestiegene Lebensdauer ein, haben wir die Kosten auf ein Zehntel gesenkt“, betont Rothert.
Druck auf den Markt
Die Hersteller wollen an die Ergebnisse der Studie anknüpfen. „Wir haben einiges durch die Studie erfahren, was wir verbessern können“, findet Kostal. Rothert erhofft sich „einen gewissen Druck auf dem Markt“, um in Zukunft transparenter effiziente Speicher zu produzieren.
Für ihn sind jedoch Effizienz und Wirtschaftlichkeit nicht die einzigen Kaufargumente für den Kunden. Auch ist die Frage wichtig, ob ein Backup-System aufgebaut werden könne. Zudem sieht er weichere Argumente wie die Überzeugung des Kunden als relevant an.
Keine einheitlichen Bezeichnungen
Das Forschungsteam konnte zudem aus der Analyse der 60 Datenblätter entnehmen, dass einheitliche Bezeichnungen zur Angabe der Speicherkapazität und Wirkungsgrade nur selten zu finden sind. Wichtige Systemeigenschaften wie die Umwandlungswirkungsgrade im Teillastbereich oder die Standby-Leistungsaufnahme der Systemkomponenten fehlten meistens in den Angaben der Hersteller. Ein verlässlicher Vergleich der am Markt erhältlichen Solarstromspeicher anhand der Datenblätter sei deswegen zurzeit nicht möglich.
Für die hocheffiziente Speichersysteme legt die Studie folgende Kriterien fest:
- > 95 Prozent Wirkungsgrad der Leistungselektronik bei 1000 Watt
- > 95 Prozent Batteriewirkungsgrad
- < 5 W Leistungsaufnahme im Standby
- < 5 W Stationäre Regelungsabweichungen
- < 2 s Einschwingzeit der Systemregelung
Weniger kündigt an: „Die Studie wird im nächsten Jahr wiederholt. Dann ist auch der Zugzwang größer. Wir hoffen, dass die Stromspeicher-Inspektion eine Plattform wird, die langfristig den Markt voranbringen kann." (hol)



