Dass Energieversorger Kunden in der Grundversorgung mit Grünstrom versorgen, ist eher die Ausnahme. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) gehen ab kommenden Jahr diesen Weg. Ab 2020 erhalten die rund 35.000 Kunden in der Grundversorgung ausschließlich regenerativ erzeugten Strom. Dieser stammt aus Wasserkraftwerken im Alpenraum, ein Siegel vom TÜV Süd bezeugt die Echtheit der Herkunft. Diese automatische Umstellung verteuert den Strompreis der grundversorgten Kunden geringfügig um 0,1 Cent netto pro kWh. Für einen typischen Haushalt mit einem Verbrauch von 2.000 kWh bedeutet das Mehrkosten von lediglich zwei Euro im Jahr.
"Die Umstellung ist ein weiterer Baustein in unserer Angebotspalette, in der die erneuerbare Erzeugung seit vielen Jahren eine Vorrangrolle spielt", erklärt Vertriebsleiter Marcus Deutenberg. SWU NaturStrom sei ein gerne verkauftes Produkt und jetzt ziehe das Basis-Angebot, nämlich die Grundversorgung, nach. Durch die Umstellung würden rund 32.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
SWU: Typischer Haushalt zahlt 45 Euro mehr pro Jahr
Aufgrund der gestiegenen Netzentgelte und Abgaben, Steuern und Umlagen sowie der höheren Beschaffungskosten verteuert sich die Kilowattstunde in der Grundversorgung ab dem kommenden Jahr unterm Strich um 2,51 Cent. Der neue Bruttopreis beträgt künftig 31,59 Cent pro kWh. Die Jahresstromrechnung eines Kunden mit einem Verbrauch von rund 2000 kWh steigt damit um rund 45 Euro. Darin eingerechnet ist der angepassste Grundpreis. In der Grundversorgung gibt es künftig einen einheitlichen Arbeits- und einen einheitlichen Grundpreis. Das führt in den meisten Verbrauchsbeispielen zu einer leichten Senkung des jährlichen Grundpreises.
SWA erhöht Strompreise um 5,5 Prozent
Aus den gleichen regulatorischen und energiewirtschaftlichen Gründen haben die Stadtwerke Augsburg und Tübingen Strompreiserhöhungen für 2020 angekündigt. Nach drei Jahren mit stabilen Strompreisen wird der Basistarif der Stadtwerke Augsburg (SWA) um 5,5 Prozent ansteigen. Ein durchschnittlicher Augsburger Haushalt mit einem Verbrauch von 2400 kWh pro Jahr zahlt pro Monat rund 3,80 Euro mehr für seinen Strombezug. Der Ökostromanteil der SWA beträgt mittlerweile 56 Prozent. Die Preise für Erdgas und Trinkwasser sowie den ÖPNV halten die SWA im kommenden Jahr stabil. Mit dem neuen Tarif City-Zone können ab dem kommenden Jahr im Innenstadtkern, von Rathausplatz bis Hauptbahnhof und Theodor-Heuss-Platz bis Staatstheater, Bus und Tram kostenlos genutzt werden.
Vier bis sechs Prozent mehr in Tübingen
Auf den deutlichen Anstieg bei mehreren Preiskomponenten reagieren auch die Stadtwerke Tübingen (SWT) mit einer Anpassung der Strompreise. Diese erhöhen sich im kommenden Jahr im Schnitt zwischen vier und sechs Prozent. Die SWT passen dabei bei einem Großteil ihrer Stromtarife den Arbeitspreis an. Die Grundpreise können laut Angaben des Unternehmens weitgehend stabil gehalten werden. Ein Tübinger Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500 Kilowattstunden im Jahr bezahlt im Tarif TüStrom Basis im Monat drei Euro mehr. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix der Stadtwerke Tübingen beträgt mittlerweile 73,9 Prozent.
Leichter Anstieg der Wärmepreise
Die Preise für Erdgas halten die SWT hingegen stabil. Anders sieht es bei den Wärmepreisen aus, die je nach Anschlussleistung und Verbrauch leicht zwischen 2,6 und 2,7 Prozent ansteigen. Die Preise für Wärme orientieren sich an maßgeblichen Indices des Statistischen Bundesamts. Auschlaggebend für die aktuelle Erhöhung sind die Indices für Lohn- und Investitionskosten. (hoe)



