Der November ist auf bestem Weg, den Oktober als teuersten Strommonat aller Zeiten in Deutschland abzulösen. Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts bewegte sich der Day-Ahead diesen Monat im Schnitt bei 172,72 Euro pro MWh (Stand Freitag, 12.19 Uhr). Im Oktober waren es 139,41 Euro pro MWh gewesen.
Auch die Gaspreise zogen wieder an. Zwar knickte die Kurve nach der russischen Ankündigung, Europas Gasspeicher befüllen zu wollen, kurzzeitig nach unten. Seitdem zeigt der Trend allerdings wieder klar nach oben. Am Dienstag wurde am Handelspunkt TTF erneut die 90-Euro-Marke geknackt. (Mehr Zahlen finden Sie im ZfK-Datenraum.)
Corona-Nachrichten dämpfen Preise
Anders als im September und Oktober fachte diesmal auch der CO2-Preis die Preisrallye an. Wurden die Zertifikate zu Novemberbeginn für 57 Euro gehandelt, notierten sie am Donnerstag bei fast 75 Euro. Preistreibend wirkten dabei unter anderem die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Glasgow sowie die stärkere Nachfrage nach Kohle aufgrund hoher Gaspreise.
Preisdämpfend wirkten am Freitag dagegen neue Befürchtungen über coronabedingte Lockdowns in Europa sowie eine eventuell gefährlichere Virusvariante in Südafrika. Öl-, Gas- und CO2-Preise brachen in der Folge ein.
Wetterprognosen bleiben kalt
An der Wetterfront dürfte sich die Lage allerdings kaum entspannen. Die Prognosen bleiben kalt. Schon am Wochenende nähern sich die Tagesmittel dem Gefrierpunkt.
Noch haben in Deutschland nur wenige Energieanbieter komplett aufgegeben, ihren Vertrieb eingestellt oder gar Insolvenz angemeldet. Diese Woche wurde bekannt, dass gegen den Garchinger Strom- und Gasanbieter Fulminant Energie mit 10.000 Kunden ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde.
Pleitewelle in Großbritannien
In Großbritannien ist da die Pleitewelle schon fortgeschrittener. Allein in dieser Woche erklärten sich mit Bulb (1,7 Millionen Kunden), Entice Energy und Orbit (beide zusammen etwa 70.000 Haushalte) drei weitere Unternehmen für zahlungsunfähig.
Großbritannien ist von dem Gaspreisanstieg am Weltmarkt besonders stark betroffen, weil es kaum Gas auf Vorrat hält. Gleichzeitig verhindert eine gesetzliche Preisdeckelung, dass die höheren Kosten an die Kunden weitergegeben werden.
Allzeithoch in Spanien
Zu leiden haben auch andere Länder. In Spanien kostete diese Woche bislang eine Megawattstunde Strom im Schnitt 228,76 Euro – ein neues Allzeithoch.
Auch Polen steuert auf einen neuen Wochenrekord zu. Hier kostet die Megawattstunde Strom bislang 144,98 Euro pro MWh (Stand Freitagnachmittag). Alle Zahlen stammen von Energy-Charts.
Polen senkt Mehrwertsteuer
Nun reagierte die polnische Regierung. Sie senkt die Mehrwertsteuer auf Gas von Januar bis März von 23 Prozent auf acht Prozent. Bei Strom geht die Mehrwertsteuer für Privathaushalte für dieselbe Zeit von 23 Prozent auf fünf Prozent zurück. (aba)



