Der Markt für langfristige Stromlieferverträge, so genannte Power Purchase Agreements (PPA), entwickelt sich erst. Noch gibt es einige Eintrittsbarrieren. Um das zu ändern, hat die Nürnberger Umweltbank einen Muster-Stromliefervertrag für förderfreie Freiflächen-Photovoltaikprojekte entwickelt. Das Dokument wurde mit der Rechtsanwältin Margarete von Oppen von der Kanzlei Arnecke Sibeth erarbeitet. Sie ist Expertin im Bereich Recht der erneuerbaren Energien. Zudem flossen Anregungen namhafter Marktakteure ein.
Der strukturierte Aufbau des Stromliefervertrags ermögliche einen schnellen Überblick über die wesentlichen Regelungsaspekte, heißt es in der Pressemitteilung. So eigne er sich als Muster und Leitfaden für die Vertragsprüfung. Es besteht aber auch die Möglichkeit, individuelle Vereinbarungen hinsichtlich der Entgelte sowie der Rechte und Pflichten zu treffen. Dadurch würden die Transaktionskosten erheblich gesenkt und der Markt dabei unterstützt, förderfreie Projekte effizient aufzusetzen. "Wir sind froh, dass wir den Mustervertrag trotz seiner komplexen Inhalte sehr übersichtlich gestalten konnten", sagt Umweltbank-Vorstandsmitglied Goran Bašić. Die Bank könne auf Basis dieses Dokumentes Kreditentscheidungen noch zügiger treffen. Umfangreiche Due-Diligence-Prozesse entfielen.
PPA-Finanzierung für Solarpark Barth 5
Erst vor kurzem hat die Umweltbank einen weiteren Finanzierungsvertrag für einen Solarpark auf Basis eines Power Purchase Agreements (PPA) abgeschlossen. Der Solarpark Barth 5 westlich von Stralsund wurde von der BayWa r.e. realisiert und ist mit einer Gesamtleistung von 8,8 MWp derzeit die größte Anlage in Deutschland, die gänzlich ohne Förderung auskommt. Der erzeugte Strom wird über einen fünfjährigen Stromabnahmevertrag mit der BayWa r.e. Clean Energy Sourcing GmbH (Clens) vermarktet. Das Projekt wird über eine langfristige Non-Recourse-Finanzierung mit einer Kreditlaufzeit von 20 Jahren durch die Umweltbank finanziert.
Bank finanziert 2019 rund zehn PPA-Projekte
Die Umweltbank gilt als einer der Vorreiter im Bereich PPA-Projekte. Im Mai hatte die nachhaltige Bank erstmals ein standardisiertes Finanzierungsprodukt vorgestellt. Der Kredit kann eine Laufzeit von bis zu 25 Jahren haben, unabhängig von der Laufzeit des PPA-Vertrags. Voraussetzung für die Finanzierung sind ein fest vereinbarter, fixer PPA-Strompreis über mindestens 5 Jahre sowie die entsprechende Bonität des Abnehmers. "In diesem Jahr rechnen wir damit, rund zehn PPA-Projekte mit einer Gesamtleistung von 20 MWp zu finanzieren", erläutert André Hückstädt, Leiter der Abteilung Energie und Infrastruktur bei der Umweltbank. Für 2020 sehe man Planungen für PPA-Projekte von insgesamt weit über 100 MWp. (hoe)



