Uniper plant mit dem Energiedienstleister NGEN den Bau eines Batteriespeichersystems am Kraftwerksstandort Heyden in Petershagen (Nordrhein-Westfalen). Der Speicher soll eine Leistung von 50 Megawatt (MW) und eine Kapazität von 100 Megawattstunden (MWh) bereithalten und im Jahr 2025 in Betrieb gehen. Für die Strategie von Uniper spiele die Energiespeicherung für den Ausbau des grünen Portfolios eine wichtige Rolle, wie Jan Taschenberger, COO der Erneuerbaren-Sparte, erklärt. Der mehrheitlich staatliche Konzern steht mit dieser Einschätzung nicht allein.
Im April hatte etwa die ostdeutsche Leag angekündigt, am Standort der früheren Braunkohlekraftwerke Boxberg I und II in der Oberlausitz ein Wasserstoff- und Stromspeicherzentrum zu errichten. Zu dem Energiekomplex soll ein Wasserstoffkraftwerk gehören. Dazu kommt ein Batteriespeicher mit mehr als 1000 MWh Kapazität. Dieser sogenannte Gigaspeicher solle der größte Batteriespeicher Deutschlands werden. Boxberg I und II waren in den 90er Jahren stillgelegt worden.
Größter Speicher der EU
Auch der Energiekonzern Eon plant große Speicherprojekte. So prüft etwa die Eon-Tochter PreussenElektra am ehemaligen Kraftwerksstandort Brokdorf, einen der größten Batteriespeicher der EU zu bauen. Der Speicher soll in zwei Stufen auf bis zu 800 MW und einer Kapazität von bis zu 1600 Megawattstunden ausgebaut werden. Die Pläne sehen vor, dass 2026 mit dem Bau eines ersten Batteriespeichers mit einer Leistung von 100 MW und einer Kapazität von 200 MWh auf dem Betriebsgelände begonnen wird.
Außerdem investiert Eon etwa in Großprojekte in Großbritannien. So entstehen am Standort eines ehemaligen Kohlekraftwerks in Uskmouth, Südwales, zwei Großspeicher mit einer Kapazität von je 230 MWh und einer Kapazität von je 115 MW. Der Großspeicher soll ab dem ersten Quartal des Jahres 2025 Regelenergie bereitstellen und auch am Großhandelsmarkt eingesetzt werden.
6 GW bis 2030
Der Energiekonzern RWE betreibt in Deutschland bereits Batteriespeicher an mehreren Standorten: Darunter eine Doppel-Batterie mit insgesamt 117 MW an den beiden Kraftwerksstandorten Lingen in Niedersachsen und Werne in Nordrhein-Westfalen. Derzeit ist eine weitere Doppel-Batterie mit einer Leistung von 220 MW an den Kraftwerksstandorten Neurath und Hamm im Bau.
Auch in den USA hat der Essener Energiekonzern mehrere Batteriespeicher errichtet. In den Bundesstaaten Texas und Arizona sind das drei Speicher mit einer Leistung von 190 Megawatt. RWE betreibt derzeit Batteriespeicher mit mehr als 700 MW. Bis 2030 will das Unternehmen seine weltweite Batteriespeicher-Leistung in Europa, Australien und den USA auf 6 Gigawatt (GW) ausbauen.
Erster Acht-Stunden-Speicher
Nun hat RWE auch den Bau eines Acht-Stunden-Batteriespeichers in Australien beschlossen. Der Lithium-Ionen Speicher soll eine Leistung von 50 MW und mehr als 400 MWh an Kapazität bereithalten. Es ist der erste Acht-Stunden-Speicher in Down Under. In der Nähe befindet sich einer der größten PV-Parks Australiens. Die Batterien kommen vom US-Konzern Tesla. 2025 soll die Anlage in Betrieb gehen.
Auch die Kommunalwirtschaft ist tätig: Der kommunale Energie-Dienstleister Westfalen Weser plant im "Speicherpark Würgassen" den Bau eines Großspeichers mit einer Leistung von zunächst 120 Megawatt (MW) und einer Kapazität von 280 Megawatt-Stunden (MWh). Die Anlage entsteht in der Nähe des ehemaligen Kernkraftwerkes Würgassen und soll rund 92 Mio. Euro kosten. Die Fertigstellung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Unterschiedliche Prognosen
Für den Hochlauf von Speichern existieren unterschiedliche Prognosen. Das Institut Frontier Economics rechnet in Deutschland etwa mit Batteriespeicherkapazitäten von 57 GWh bis 2030. Das wäre 40-mal mehr als derzeit. Hier sind jedoch große Batteriespeicher und kleinere Heimspeicher sowie Gewerbespeicher zusammengerechnet. (jk)



