Für die Leag (Dachmarke der Lausitz Energie Bergbau und der Lausitz Energie Kraftwerke) sei die Ankündigung von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung über den Ausstieg aus der Fernwärmelieferung aus dem Braunkohlenkraftwerk Lippendorf völlig überraschend gekommen. Und sie mache weder wirtschaftlich noch ökologisch Sinn, rechnet der Kohlekonzern jetzt vor.
Leag-Vorstand Hubertus Altmann gibt sich bei einem Pressegespräch am Kraftwerksstandort betont zurückhaltend. Die Lieferverträge mit den Leipziger Stadtwerken laufen Ende 2023 aus, sofern drei Jahre zuvor keine Verlängerung vereinbart werde. "Das ist juristisch sauber", räumt Altmann ein und schiebt hinterher, dass Lippendorf allerdings dennoch wirtschaftlich bleibe und deshalb auch "bis weit in die Vierziger Jahre hinein betrieben werden könne". Die Leag betreibt neben der EnBW einen der beiden Blöcke des 1999 in Betrieb genommenen Großkraftwerkes südlich von Leipzig.
Bis Anfang Dezember wurde noch über Zukunft verhandelt
Bisher sei das Kohlekraftwerk mit seinen jeweils 920 MW leistenden Blöcken eines der modernsten in Europa, das einen Wirkungsgrad von fast 43 Prozent erreiche, flexibel sei und auch alle heutigen Grenzwerte bei den Emissionen einhalte. Zum Jahreswechsel gehe zudem eine neue Aktivkohle-Filteranlage in Betrieb, die dann den neuen Quecksilbergrenzwert (ab 2021 gültig) sichere.
Zusammen mit der Fernwärmeauskopplung, technisch sind bis 330 MW möglich, erreiche der energetische Brennstoff-Nutzungsgrad sogar 46 Prozent. "Wir sind eine gigantische KWK-Anlage, und wir arbeiten ständig daran, effizienter und sauberer zu werden", ergänzt Kraftwerksleiter Christian Rosin.
"Wähnten uns auf einem guten Weg"
Bis vor kurzem seien auch Gespräche mit den Stadtwerken Leipzig geführt worden, unter anderem, um auf dem Kraftwerksgelände ein neues Biomasse-Kraftwerk für die Leipziger zu errichten. "Das hätte viele Vorteile, weil eine solche Anlage die vorhandene elektrische und technische Infrastruktur des Großkraftwerkes nutzen könnte", so Rosin. Doch mitten in die Gespräche, die auch mit Blick um eine Vertragsverlängerung geführt wurden, sei Leipzig plötzlich mit der Entscheidung über den Ausstieg geplatzt.
"Wir wähnten uns bis dahin auf einem guten Weg und sind auch durchaus flexibel, was die Lieferbedingungen betrifft", sagt Altmann – will aber konkrete Preise der laufenden Verträge für den Fernwärmebezug nicht nennen. Diese Energie sei zwar ein ohnehin anfallendes Nebenprodukt, aber natürlich entstehen durch die Auskopplung, Aufbereitung und den Transport über zwei 15 km lange Pipelines Kosten. Im Vergleich zu einer Eigenerzeugung aus Gas sei Fernwärme aus Lippendorf aber ein sehr gutes Geschäft für beide Seiten, die Übertragungsverluste seien gering.
Leag sieht noch Chancen auf eine Einigung
Zudem sei die jetzige Lösung ökologisch sinnvoller als zusätzliche Kapazitäten. Denn die geplante Eigenerzeugung in der neuen 150-MW-Anlage in Leipzig sowie in Spitzenheizkessel erzeugte Wärme setze natürlich zusätzlich CO2 in erheblichen Mengen frei. "Unsere Stromproduktion wird davon nicht betroffen. Wir haben in diesem Jahr zu einem großen Teil Maximallast abdecken müssen, also zum Teil sogar über den Nennleistungen produziert", bestätigt Christian Rosin.
Das werde sich auch in den nächsten Jahren mit der Abschaltung von Kernkraft-Kapazitäten kaum ändern. Auch an einem relativ milden Wintertag wie dem 20. Dezember liege die Abnahme an Fernwärme durch Leipzig und die beiden Kleinstädte Neukieritzsch und Böhlen bei 240 MW. Altmann versicherte, dass die Leag auch weiterhin gesprächsbereit sei. Nach der Ankündigung zum Ausstieg gebe es noch keine Kündigungen. Und noch habe man reichlich Zeit, sich zu einigen. (masch)



