Strom sind Ländergrenzen fremd, er nimmt den Weg des geringsten Widerstandes. Was den Energiehandel anbelangt, ist der Transport zwischen Deutschland und Österreich seit Oktober 2018 nicht mehr ohne Weiteres möglich. Die Zeiten einer gemeinsamen Strompreiszone sind vorüber. Nun will Verbund als größter Stromversorger der Alpenrepublik gemeinsam mit drei anderen Unternehmen gerichtlich gegen Tennet vorgehen.
Österreich hat die Trennung vor allem wirtschaftlich hart getroffen: Die Börsenstrompreise sind seitdem drastisch gestiegen. Allein Haushaltskunden zahlen mindestens 180 Euro pro Jahr mehr, ganz zu schweigen von den Mehrkosten für energieintensive Industriekunden. Laut Verbund führe das zu einer geringeren Wettbewerbungsfähigkeit der österreichischen Betriebe und weniger Kaufkraft bei den privaten Verbrauchern.
Transitbereich auf 4900 MW gedrosselt
Mit der Klage gegen den deutschen Übertragungsnetzbetreiber Tennet wollen Verbund, Austropapier (Vereinigung der österreichischen Papierindustrie), die österreichische Strombörse EXAA und der Industriekonzern Voestalpine nun wieder eine Preiszone forcieren. Der Vorwurf: Tennet würde seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen. Innerdeutsche Netzengpässe würden über die Engpassbewirtschaftung an der österreichischen Grenze behoben, anstatt über Maßnahmen jenseits des Handels mit der Alpenrepublik.
Bislang lag die technische Grenzkapazität zwischen den Ländern bei 10.700 MW, nach der Trennung in zwei Handelszonen schrumpfte sie auf 4900 MW. Durch die Einschränkung sollen die Netze im Grenzgebiet entlastet werden. Verbund hält aber dagegen, dass es keine strukturellen Netzengpässe am Übergang der Republiken gebe und Tennet mit der Trennung anders verortete Engpässe kompensiere, was insgesamt zu einer verzerrten Marktlage führe. Eine entsprechende Klage soll beim Oberlandesgericht Wien eingehen. (ls)



