„Es ist uns ein Anliegen, gemeinsam mit Bürgern Mieterstromprojekte vor Ort voranbringen“. Dies unterstrich Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), bei einem Parlamentarischen Abend „Vom Mieterstrom zur Quartierversorgung“ des VKU in Berlin. Ziel sei sowohl die Energiewende in die Fläche zu bekommen als auch neue, nachhaltige Geschäftsmodelle für kommunale Unternehmen zu schaffen.
Das Potenzial ist riesig, unterstrich Reiche. Bis zu vier Mio. Wohnungen in Deutschland, das sind gut eine Fünftel aller Mietwohnungen, können per Mieterstrom versorgt werden. Rund 17 Prozent der Mitgliedsunternehmen des VKU sind bereits im Bereich des solaren Mieterstroms aktiv, 41,2 Prozent planen dies, wie eine aktuelle Umfrage des VKU ergab.
Bisher 110 PV-Mieterstromanlagen gefördert – Zeitz geht voran
Die meisten der bereits realisierten Projekte stammen allerdings noch aus der Zeit vor Inkrafttreten des Mieterstromgesetzes im vergangenen Sommer. Mit der Regelung werden bundesweit solare Mieterstromprojekte mit einem Zuschlag unterstützt. Nach der neuesten Erhebung der Bundesnetzagentur wurden bisher erst 110 Photovoltaik-Mieterstromanlagen mit einer Leistung von drei Megawatt im Rahmen einer Förderung durch das Mieterstromgesetz realisiert. Die Umsetzung läuft erst so richtig an, räumte Frank Heidrich, zuständiger Unterabteilungsleiter beim Bundeswirtschaftsministerium, ein.
Von der neuen Förderung profitierten beispielsweise die Stadtwerke Zeitz. Am 30. April 2018 nahmen sie eine 39 Kilowatt Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Wohnblocks für die Mieterstromversorgung in Betrieb. „Das Interesse ist sehr groß“, berichtete Vertriebsleiterin Heike Wolff-Georgi. 36 von 40 Mietern sind im Boot. Realisiert wurde das Projekt gemeinsam mit einer örtlichen Wohnungsgenossenschaft. Die Gesamtinvestitionen lagen bei 52.000 Euro. Voraussichtlich 21.000 Kilowattstunden des erzeugten Solarstroms werden von den Mietern selbst verbraucht, 16.000 Kilowattstunden ins Netz eingespeist.
VKU Broschüre mit zahlreichen Praxisbeispielen
Hürden für die Umsetzung entsprechender weiterer Projekte seien jedoch trotz Förderung des Mieterstromgesetzes der vergleichsweise niedrige Stromverbrauch vieler Mieter in den Neuen Bundesländern sowie die Abrechnung über Summenzähler anstatt digitaler Stromzähler, so Wolff-Georgi.
Die Broschüre mit der, der VKU auf die Bandbreite an Mieterstrom- und Quartierslösungen aufmerksam machen will, steht unter folgendem Link zur Verfügung: www.vku.de/publikationen/2018/. (hcn)



