Der Solarpark Benban in Ägypten ist mit mehr als 50 Fußballfeldern so groß, dass er auf Satellitenfotos aus dem Weltall zu sehen.

Der Solarpark Benban in Ägypten ist mit mehr als 50 Fußballfeldern so groß, dass er auf Satellitenfotos aus dem Weltall zu sehen.

Bild: © Johannes Schmitt-Tegge/dpa

An einer Schnellstraße im Süden Ägyptens färbt sich die gelbbraune Wüste plötzlich schwarz. Kilometerweit strecken sich am Horizont die Solarpanels – dunkelgraue, zur Sonne geneigte Fotovoltaik-Tafeln für Ägyptens erhoffte Energiewende von Übermorgen. Hier im Solarpark Benban, einem der weltweit größten, hat die Technologie flächenmäßig ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Mit einer Fläche, die mehr als 50 Fußballfeldern entspricht, ist Benban inzwischen auf Satellitenfotos aus dem Weltall zu sehen.

Hitze und Staub werden für die Arbeiter zu ständigen Begleitern. Im Sommer können die Temperaturen auf bis zu 50 Grad Celsius steigen, und wer zu wenig trinkt, riskiert den Kreislaufkollaps. Arbeiter dürften nur zu zweit ins Feld, sagt Mahmud Sidan, Sicherheitsoffizier in einer der Parzellen. Auf der Toilette im Container warnen Aushänge vor honigfarbenem oder braunem Urin: Flüssigkeitsmangel! Wasser trinken, jetzt! «Am wichtigsten ist, immer weiter Wasser zu trinken, auch wenn man keinen Durst hat», sagt Ingenieur Ahmed Atif.

Sonnennutzung erst am Anfang

Aus Sicht von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ist die außerweltlich wirkende Anlage das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte namens Solarstrom. «Wir sind am Anfang, nicht am Ende der Nutzung der Sonnenenergie», sagt der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur bei einem Besuch in Benban vor einigen Tagen. Es sei der «Anfang einer Renaissance» der Solarenergie in Afrika, Asien und Südamerika.

Tatsächlich sind in Marokko, Abu Dhabi, China und Indien Solarparks von gewaltigem Ausmaß herangewachsen. China, das mit den USA und Indien die weltweit größte Menge an klimaschädlichen Treibhausgasen wie CO2 ausstößt, ist Spitzenreiter. «Innerhalb von 25 Jahren hat China, das praktisch überhaupt keine Solarpanels hatte, es geschafft, die Welt mit einer Marge von mehr als 100 Prozent anzuführen», resümierte das Weltwirtschaftsforum. 2018 installierte das Land mit 44 Gigawatt die meiste Solar-Leistung, gefolgt von Indien (8 GW), Japan (7 GW), Australien (5 GW) und Deutschland (3 GW).

Megaparks brauchen viel Platz

Aber die Parks stoßen flächenmäßig an ihre Grenzen. «Es gibt nicht viele Orte, wo so viel Land in der Nähe von Ballungsräumen mit großem Energieverbrauch verfügbar ist», sagt Analyst Tom Heggarty von der britischen Energie-Beratungsfirma Wood Mackenzie. «Die Zahl der Standorte, wo diese Energie über große Entfernungen transportiert werden kann, ist ziemlich gering.» Stromübertragung in großem Maßstab ist teuer – und bis heute eine technische Herausforderung. Auch am Solarpark Benban, wo Freileitungsmasten wie Stahlriesen in die Wüstenlandschaft ragen, war der Netzausbau ein Knackpunkt.

Und weil Anlagen wie Benban – der Park kann laut Geldgebern Strom für bis zu eine Million Haushalte erzeugen – viel Platz benötigen, ist ein Streit über Landnutzung oft vorprogrammiert. Das gilt etwa für landwirtschaftliche Flächen, wie am Beispiel Italien zu sehen ist: Solarkraft müsste dort eigentlich längst mehr genutzt werden und der Markt viel schneller wachsen, sagt Heggarty. Aber der Grundbesitz in dem südeuropäischen Land ist zersplittert und örtliche Gemeinden und Behörden stemmen sich häufig gegen den Ausbau von Solarkraft.

In Deutschland viele Flächen für Solarnutzung

Auch die deutsche Solarwirtschaft scheint sich nach ihrem Niedergang der vergangenen Jahre wieder zu berappeln. Die Branche rechnet mit Zuwachs. Um die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen, muss Deutschland beim Solarausbau aber Gas geben: Laut Experten des Fraunhofer-Instituts ist ein jährlicher Anbau von 5 bis 15 Gigawatt notwendig. Flächen gibt es in Deutschland demnach genügend – ohne, dass Ackerland dabei maßgeblich beansprucht würde. Laut Fraunhofer-Institut bieten diese ein Potenzial von 226 Gigawatt.

Die Europäische Union kann beim Klimaschutz unterdessen noch höher greifen, heißt es in einer neuen Studie – nämlich durch Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft. Damit ließen sich die mittelfristigen EU-Klimaziele sogar übertreffen, so eine Untersuchung des Research-Unternehmens BloombergNEF, des Energiemanagementunternehmens Eaton und des Erzeugers Statkraft. Bis 2030 könnten die CO2-Emissionen um 63 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zurückgeführt werden, gegenüber den bislang angestrebten 40 Prozent.

Komponenten werden immer günstiger

Die Solar-Party werde – auch dank der immer billiger werdenden Bauteile – noch eine Weile andauern, sagt Analyst Heggarty. Im Nahen Osten und Nordafrika wächst die Stromnachfrage stetig, viele Haushalte sind noch nicht ans Stromnetz angeschlossen. Anders als Wasserkraftwerke lassen sich Solar- wie auch Windkraftanlagen außerdem schnell entwickeln, die Bauarbeiten brauchen teils nur Monate. Der Anteil von Solar- und Windkraft am weltweiten Energiemix ist dabei aber noch verschwindend gering: Bis heute dominieren Kohle, Öl und Erdgas. (dpa/hp)

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