Die Windkraft an Land hat zwei katastrophale Jahre hinter sich, die Ausschreibungen waren dauerhaft unterzeichnet, ein erster Hoffnungsschimmer flammte dann Ende 2020 auf, als die erste Ausschreibung des Jahres um fast 300 MW überzeichnet war. Auch die Branchenverbände erkennen erste Zeichen einer Markterholung, mahnen jedoch auch zu höheren Ambitionen und mehr Engagement.
Vergangenes Jahr wurden 420 Onshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1431 MW zugebaut. Damit hat der Ausbau im Vergleich zu 2019 um 46 Prozent zugelegt, so die Zahlen der Deutschen WindGuard im Auftrag des BWE und VDMA Power Systems.
Genehmigungen um über 70 Prozent gestiegen
Das zum Jahresende 2020 verabschiedete EEG 2021 sieht bis 2030 ein Ausbauziel der Onshore-Windenergie von 71 GW vor. Mit Bezug auf das erhöhte EU-Treibhausgas-Minderungsziel strebt das Bundesumweltministerium sogar eine Erhöhung des Ausbauziels auf 95 GW an. Umso mehr ist aus Sicht der Branchenvertreter eine zügige Umsetzung von Maßnahmen für mehr Flächen und Genehmigungen notwendig.
Zwar ist das Genehmigungsvolumen von 2019 auf 2020 auf 3,3 GW und damit um über 70 Prozent gestiegen, zum Erreichen des 71-GW-Ausbauziels bräuchte es allerdings jährlich fünf bis sechs GW an Genehmigungen, so Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Neben schnelleren und deutlich mehr Genehmigungen für Greenfield-Projekte fordern die Verbände zudem ein klares Bekenntnis zum Repowering. “Es braucht eine durchgehende Repowering-Strategie, die die Bestandsflächen berücksichtigt und für die Zukunft sichert. Deutschland kann der europäische Leitmarkt für die Erneuerung des Anlagenparks werden und hier starke Impulse setzen“, erläuterte Hermann Albers, Präsident des BWE.
Repowering macht 24 Prozent des Zubaus aus
Immerhin waren von den 420 neu errichteten Anlagen 102 (339 MW), die im Rahmen eines Repowerings errichtet wurden. Damit macht der Ersatz von Alt-Anlagen durch leistungsfähigere Neue 24 Prozent des Brutto-Zubaus aus. Bislang ist im EEG 2021 recht wenig zum Repowering geregelt. Eine Übergangsregel für dieses Jahr soll lediglich dafür sorgen, dass Ü20-Anlagen nicht abgebaut werden. Eigene Ausschreibungen für ausgeförderte Anlagen sollen einen Weiterbetrieb dort ermöglichen, wo Repowering nicht zulässig ist.
Wie das Repowering jedoch erleichtert werden kann, wurde im Rahmen des Entschließungsantrags der Bundesregierung auf diesen Frühling vertagt – genau wie eine erneute Anhebung der Ausbauziele in Folge der verschärften EU-Treibhausgasminderungsziel. „Mit der letzten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurde in letzter Sekunde (…) eine automatische Verknappung der Ausbaumengen durch eine Änderung des Ausschreibungssystems für Windenergie eingeführt. Wir fordern die massive Beschleunigung des Windenergieausbaus auf jährlich mindestens 5000 MW. Die Regierung darf diesen konkreten Beitrag zum Klimaschutz nicht länger blockieren“, fordert Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen anlässlich der Veröffentlich der Ausbauzahlen. (lm)
