Der Windkraftbranche stehen stürmische Zeiten bevor.

Der Windkraftbranche stehen stürmische Zeiten bevor.

Bild: © Frank Wagner/AdobeStock

Es ist nicht schön zu reden: Die Ausbauzahlen der Windenergie an Land sind unterirdisch. 2018 kamen nur 2154 Megawatt (MW) durch 538 neue Windenergieanlagen hinzu. Das entspricht dem Stand von 2012 – und bedeutet einen Einbruch um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dramatische Zahlen – darüber sind sich die Vertreter des Bundesverbandes für Windenergie (BWE) und der VDMA Power Systems einig. Insbesondere in Hinblick auf die Ausbauziele der Bundesregierung und das Gelingen der Energiewende sowie der Einhaltung der Klimaschutzabkommen seien diese Zahlen ungenügend.

Bayern Schlusslicht beim Ausbau

Im bundesweiten Vergleich hat sowohl was die Bestandsleistung betrifft als auch bezüglich des Zubaus Niedersachsen die Nase vorn. 718 MW von 206 Windenergieanlagen kamen hier 2018 dazu. Schlusslicht beim Zubau der Flächenbundesländer war 2018 Bayern. Hier wurden nur 22 MW und somit acht neue Windenergieanlagen installiert.

Für Wolfgang Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie, gibt es trotz der deutlichen Unterschiede zwischen den Bundesländern "keinen 1. Platz mehr".  Die Ausbauzahlen seien überall dramatisch rückläufig. Bayern und die ostdeutschen Kohleländer würden sich vollkommen ausklinken, erläutert Axthelm. "Das ist äußerst schlecht, wenn sie starke Energieländer bleiben wollen."

Genehmigungsverfahren hochproblematisch

Was sind die Ursachen dieser Ausbaudelle? Axthelm erklärt: "914 MW Übergangsanlagen gingen 2018 unter anderem deshalb nicht ans Netz, weil fast jede Genehmigung mittlerweile beklagt wird." Die Kläger stellen die Konformität mit dem Natur- und Artenschutz in Frage. Da die Fristen vor Gericht sehr lang seien und teilweise Gutachten über mehrere Vegetationsperioden angefertigt werden müssten, könne so die Dauer eines Genehmigungsverfahren auf durchschnittlich 500 bis 700 Tage ausgedehnt werden – das entspricht einer Verdopplung des eigentlichen Zeitrahmens.

Weitere Gründe seien vor allem bei Umgenehmigungen zu suchen, die genutzt würden, um sich für eine Beteiligung an Ausschreibungen vorzubereiten. Hinzukommt, dass fast alle Zuschläge von 2017 ins Leere gelaufen seinen, so Axthelm. Der Großteil der Zubauzahlen von 2018 sei bereits in 2016 genehmigt worden.

Schlechte Prognose für 2019

Noch fataler als die Zahlen für 2018 vermuten lassen, fällt allerdings die Prognose für 2019 aus. 2000 MW prognostizieren Axthelm und Mathias Zelinger, Geschäftsführer der VDMA Power Systems – wenn es gut läuft. Weiterhin wird aus dem fehlerhaften Ausschreibungssystem von 2017 kein nennenswertes Volumen erwartet. Von den Zuschlägen über 2819,9 MW hätten bislang lediglich 2.688,7 MW eine Genehmigung erhalten. Hinzu kommen die ebenfalls wenig erfolgreichen Ausschreibungsverfahren des vergangenen Jahres: Von 2710 MW ausgeschriebener Leistung erhielten nur 2343 einen Zuschlag. Und auch 2019 wird die Problematik der sich hinziehenden Genehmigungsverfahren ersichtlich: mehr als 10.000 MW stecken in Genehmigungsverfahren. Dennoch sei Axthelm "zurückhaltend optimistisch, dass es der Politik gelingt, wieder ein positives Signal zu senden". 

Konkret fordern VDMA und BWE vor allem ein Definieren des Ausbaupfades, wie die von der Bundesregierung beschlossene 65-Prozent-Marke für Erneuerbare zu erreichen sei. Auch eine verbindliche Zwei-Prozent-Flächenkulisse für alle Bundesländer sei notwendig, damit sich nicht einzelne Bundesländer rausnehmen könnten. Um mehr Schwung in die Genehmigungsverfahren zu bringen fordern beide die Übernahme des Planungs-Beschleunigungs-Gesetzes für den Windkraftausbau. Somit könnte der Klageweg verkürzt werden.

Balance schwer zu finden

Was aktuell den Windkraftausbau bremse, sei mehr ein "kulturelles" als ein "technisches" Problem, findet Zelinger. Die Balance zwischen Industrie, Klimaschutz und Naturschutz zu finden, sei schwierig. Auch für die Bürger vor Ort müsste ein sichtbarer Anteil an der Wertschöpfung möglich sein.

In den Kohleregionen bestünde ein großes Ausbaupotenzial, ausreichend Volumen für Windenergie zu schaffen. Damit hier der Ausbau voranschreiten könne, sei jedoch die Reform von Abgaben und Umlagen für Windkraftanlagen und Speicher nötig. "Die Industrie bewegt sich, die Politik muss den Rahmen setzen", erklärt Zelinger. "Wir brauchen die Marktperspektiven."

Aufwind ab 2020?

Die Hoffnungen der Windenergiebranche stützen sich nun auf die Sonderausschreibungen im September und Dezember 2019. Insgesamt sollen dann 3675 MW ausgeschrieben werden – 2020 sogar 4000 MW. (hol)

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