Der Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) erfolgt nur schleppend und mit den geringsten Zubauraten von Onshore-Windkraftanlagen des Jahrtausends im letzten Jahr. Das liegt vor allem in der Kopplung des EE-Ausbaus an den langwierigen Netzausbau begründet, so die Windenergiebranche. Dabei berge das bestehende Netz noch große Optimierungspotenziale, die eine schnellere Integration von Windkraft und PV-Anlagen vor 2025 ermögliche, ohne, dass die Kosten für Redispatch- und Einspeisemanagement steigen. So die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Windkraftverbände, darunter der Bundesverband Windenergie (BWE), der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO) und der Wirtschaftsverband Windkraftwerke (WVW).
Basis für die Optimierung bieten drei Maßnahmen. Die erste Maßnahme, das Freileitungsmonitoring (FLM), ist ein Messsystem, um die Belastbarkeit der Stromleitungen an die Wetterbedingungen anzupassen. Das wird aktuell schon von einigen Netzbetreibern installiert.
Transformatoren und Online-Assistenten optimieren das Netz
Die zweite Maßnahme ist der Bau von Phasenschiebertransformatoren (PST), die die Steuerung des Wirkleistungsflusses ermöglichen. So kann der Leistungsfluss umgeleitet werden und verhindert eine Überlastung einzelner Leitungen. Auch diese werden aktuell schon installiert.
Die letzte und für die Branchenvertreter wichtigste Maßnahme ist aber die Verwendung von Online-Assistenzsystemen (Online-DSA). Diese ermöglichen die Echtzeit-Analyse des Netzzustands, visualisiert zum Beispiel durch ein Ampelsystem. Mit Hilfe der kostengünstigen Softwarelösungen könnten kritische Netzsituationen präventiv wie kurativ vermieden werden. Die Nutzung dieser Systeme werde im neuen Netzausbauplan allerdings nur als Langfrist-Maßnahme vorgesehen.
Erst die Kombination nutzt das Optimierungspotenzial
Das FLM und die PST ermöglichen aber erst in Kombination mit den Online-DSA die größtmögliche Ausschöpfung des Optimierungspotenzials der bestehenden Netze, so die Windkraftverbände. Diese Verknüpfung müsse nun gleichzeitig erfolgen und nicht erst nach 2030.
Bislang hätten die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) einfach nicht genügend Anreize, in Netzoptimierungen zu investieren. Die großen Gewinnsummen warten eher beim physischen Ausbau der Netze. Daher müsse jetzt die Politik für finanzielle Anreize sorgen.
Beispiel aus UK
In Großbritannien werden die Netzbetreiber an den Einsparungen im Redispatch- und Einspeisungsmanagement über Bonuszahlungen beteiligt. Das steht beispielhaft für Anreize in Deutschland, so die Windanlagenbauer. In jedem Fall sei eine Änderung der Anreizregulierungsverordnung auf die eine oder andere Art notwendig, da sie aktuell noch keinen Druck auf die ÜNB ausübe, ihre Netze flächendeckend zu optimieren.
Die Branchenorganisationen betonen abschließend die sinkenden Kosten für die Netzverbraucher und die risikofreie Integration der EE durch die Netzoptimierungen. Für den Erfolg der Energiewende sei in Zukunft eine kooperative Verständigung von Anlagenbauern, Netzbetreibern und Politik notwendig. (pm)



