Der Windpark "Borssele I&II" von Orsted ging bereits vergangenes Jahr ans Netz.

Der Windpark "Borssele I&II" von Orsted ging bereits vergangenes Jahr ans Netz.

Bild: © Orsted

Der geplante Ausbau der Windenergie auf See erfordert aus Sicht der Windkraftbranche bis zu 200 Hektar zusätzliche Schwerlastflächen in den deutschen Seehäfen. "Investitionen im Milliardenbereich werden in den kommenden Jahren gebraucht", heißt es in einer aktuellen Analyse der Stiftung Offshore-Windenergie. Unterstützt wird die Forderung vom Netzwerk Erneuerbare Energien Hamburg, dem Windindustrie- und Wasserstoffverband WAB sowie dem WindEnergy Network.

"Die Seehäfen sind die zentralen Drehkreuze der Offshore-Windenergie", sagte die Geschäftsführerin der Stiftung, Karina Würtz. "Ob als Basishäfen für den Bau und den späteren Rückbau der Windparks, als Servicehäfen für den Betrieb und auch die Wartung, als Lagerplatz oder als Produktionsstandort - sie nehmen vielfältige Funktionen im Bereich der Offshore-Windenergie ein."

Deutsche Marktanteile schrumpfen

Die Bundesregierung will, dass die Windkraft auf See bis 2030 auf eine Kapazität von 30 Gigawatt (GW) und bis 2045 auf 70 GW ausgebaut wird. Das entspricht einem Zubau von 62 GW innerhalb der kommenden 12 Jahre und benötigt nach Branchenangaben bis zu 7000 neue Offshore- Windenergieanlagen. Auch außerhalb Deutschlands soll der Ausbau der Windkraft auf See forciert werden.

"Die sich durch das neue Ausbautempo immer stärker abzeichnende europäische Konkurrenz um Hafenflächen und auch die schwierige Finanzierungslage stellen ein unkalkulierbares Risiko für das Erreichen der Offshore-Wind-Ausbauziele dar", so die Stiftung Windenergie. "Während sich die niederländischen und dänischen Häfen Eemshaven und Esbjerg in den vergangenen Jahren stark auf den Offshore-Wind-Bereich ausgerichtet und den deutschen Häfen auch große Marktanteile abgenommen haben, haben sich letztere verstärkt anderen Geschäftsfeldern zugewandt."

Die Kapazitäten reichten demnach auch bei den ausländischen Häfen voraussichtlich ab 2027 nicht mehr, um den deutschen Ausbau ausreichend unterstützen zu können.

Mangelnde Finanzierung

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Problem offenbar erkannt und daher in der vergangenen Woche eine Konsultation zur Hafenstrategie des Bundes gestartet. Das Vorhaben befindet sich in der Ressortabstimmung durch das federführende Bundesverkehrsministerium. Das Ministerium nimmt darin die Häfen als Schlüssel für den wirtschaftlichen und energiepolitischen Erfolg in den Blick.

Der vorgelegte Entwurf der Hafenstrategie gehe zwar war in die richtige Richtung, sagt Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie Offshore (BW). Finanzielle Aspekte blieben allerdings außen vor.

Einnahmen aus Auktionen

"Die Hafeninfrastruktur in Deutschland braucht Investitionen im mehrstelligen Millionen-Bereich", so Thimm. "Diese Finanzierung würde die Offshore-Windenergie-Branche gerne im Rahmen der Gebotskomponente unterstützen – ohne den Bundeshaushalt zu belasten."

Der Verbad schlägt daher vor, Einnahmen aus künftigen Offshore-Wind-Auktionen auch dafür zu nutzen, die deutschen Häfen dem Bedarf entsprechend auszubauen. (jk mit dpa)

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