Das eigene E-Auto mit dem Strom des Quartiers-BHKW laden – im Maximilians-Quartier ist das bald möglich.

Das eigene E-Auto mit dem Strom des Quartiers-BHKW laden – im Maximilians-Quartier ist das bald möglich.

Bild: © Gasag

Mitnetz Strom unterstreicht den Ansatz zeitvariabler Netzentgelte: E-Bridge Consulting aus Bonn und der EnviaM-Netzbetreiber haben im Juni 2020 die E-Bridge Studie „Zeitvariable Netztarife und intelligentes Energiemanagement für flexible Netzkunden“ veröffentlicht. Die praktische Machbarkeit wurde in einer Pilotanwendung getestet. Dabei untersuchte der Netzbetreiber vorrangig das zeitlich gesteuerte Laden von Elektroautos. Fazit: Die Netzkapazität wurde stets eingehalten. Eine CO2-Einsparung der Ladevorgänge von bis zu 60 Prozent wurde erzielt. Alle Ladevorgänge konnten in den aus Sicht des Kunden gewünschten Zeiten optimiert werden. Zudem machten die Kunden von den günstigen Tarifzeiten Gebrauch.

„Die ersten Ergebnisse aus dem Pilotprojekt machen Mut für die Zukunft. Ziel ist es, wirksame Anreize zu schaffen, um die vorhandenen Stromnetze besser auszulasten und die Netznutzer zu entlasten. Zeitvariable Netzentgelte regen dazu an, Verbrauch und Erzeugung optimal aufeinander abzustimmen“, sagt Adolf Schweer, Technischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom.

Kunden profitieren von geringeren Strompreisen

Konkret könnte bei einer sehr hohen Einspeisung erneuerbarer Energien in dem Stromnetz einer Region ein besonders niedriger Netztarif gelten. Verbraucher vor Ort würden so angeregt, in dieser Zeit mehr Strom zu beziehen, etwa durch das Laden des Elektroautos. Es würde zu einer Lastverschiebung kommen. Tendenziell würde weniger Strom über große Distanzen transportiert werden.

„Wie sich die aktuellen Erkenntnisse insgesamt auf Netzausbau und Netzentgelte auswirken, muss noch erforscht werden. Allerdings könnten Endkunden grundsätzlich durch geringere Strompreise profitieren, CO2-Emissionen vermieden und Netzausbau tendenziell verringert werden“, ergänzt Schweer. „Darüber hinaus stellt das Modell der zeitvariablen Netzentgelte eine Weiterentwicklung der aktuell im Kontext der Novellierung des §14a EnWG diskutierten Spitzenglättung dar. Netzengpässe könnten wir verringern und kurzfristige, direkte Steuereingriffe auf Kundenanlagen mit einem intelligenten Energiemanagementsystem beim Kunden weitgehend vermeiden.“

Weitere Forschungen geplant

Mitnetz Strom stellt in den nächsten Monaten basierend auf der Studie weitere Untersuchungen an. Dazu soll mit interessierten Kunden ein realitätsnaher Feldtest durchgeführt werden. Der Netzbetreiber hat bereits eine digitale Lösung parat. „Mit der eigens entwickelten NetzFlex-APP können wir unseren Testkunden bereits heute eine IT-Lösung anbieten. Dort laufen alle Informationen zum lokalen Stromangebot aus erneuerbaren Energien, verfügbaren Netzkapazitäten sowie dem gültigen Netztarif zusammen. Das Energiemanagementsystem beim Kunden sorgt für die bedarfsgerechte und vollautomatische Optimierung. Die Steuerung von Verbrauchern bleibt dabei aber immer in der Hoheit des Kunden“, bilanziert Michael Lehmann, Leiter Systemmanagement bei Mitnetz Strom. (sg)

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