Im thüringischen Nordhausen soll das Fernwärmenetz erweitert werden.

Im thüringischen Nordhausen soll das Fernwärmenetz erweitert werden.

Bild: © Finecki/Adobe Stock

Die kommenden drei Jahre werden die Stadtwerke Böblingen und die Technische Universität gemeinsam an einem Masterplan für den Fernwärmeausbau in der baden-württembergischen Stadt arbeiten. Dabei geht es nicht nur darum, das bestehende Netz zu ertüchtigen, sondern auch ein Gewerbegebiet neu anzuschließen und die Versorgung grüner zu machen.

Aktuell werden rund 5000 Böblinger Haushalte mit Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk, einem weiteren HKW und einem BHKW versorgt. Damit ist die Versorgung schon heute relativ emissionsarm, allerdings sollen künftig Solarthermie, Wärmepumpen und Biomasse auf den Prüfstand für ihren Einsatz im Netz kommen.

Speicher und Monitoring

Die Umrüstung auf regenerative Quellen ist allerdings nicht ganz einfach, wie Clemens Felsmann, Inhaber der Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der TU Dresden und Projektleiter verdeutlicht: „Die größte Herausforderung für uns ist, einen Masterplan für eine ökologische Fernheizung wirklich umzusetzen und nicht nur auf dem Papier zu planen. In Böblingen befindet sich sozusagen unser Reallabor.“

Speicher und die Digitalisierung der Infrastrukturen sind für den Masterplan unverzichtbar. Wärme muss immer verfügbar sein und das möglichst wirtschaftlich - eine Herausforderung bei einem schwankenden Angebot an Sonnenenergie und einer Wärmepumpe, die vom Börsenstrompreis abhängig ist. Energiepotenziale verschiebbar zu machen ist also das A und O für die Wärmewende. Aber auch das Monitoring des Netzzustandes bis hin zum Verbraucherverhalten soll die kommenden Jahre erforscht werden, um Optimierungspotenziale ausloten zu können, so Felsmann weiter.

Unterspülverfahren macht Leitungsbau fast "minimalinvasiv"

Hierfür setzen die Stadtwerke und die Forscher auf Smart Metering und Sensorik im Netz. Berücksichtigt werden soll auch die Frage, wie eine möglichst breite Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau des Fernwärmesystems geschaffen werden kann. Eine Möglichkeit hierfür könnte beispielsweise eine neue Verlegetechnologie sein.

Im Rahmen des Masterplans soll ein Unterspülverfahren beim Leitungsbau zum Einsatz kommen. Die Versorgungsrohe werden ohne große Tiefbauarbeiten und Gräben verlegt, was Straßenbauarbeiten und entsprechende Sperrungen reduziert. Da das Projekt Teil des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung „Innovationen für die Energiewende“ ist, wird es mit 2,5 Mio. Euro gefördert. Die Forschungsergebnisse werden von den Stadtwerken Böblingen umgesetzt und können als Vorlage für Wärmenetze anderer Versorger dienen. (ls)

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