Derzeit werden die Großkollektoren der 10 Megawatt (MW) starken solarthermischen Anlage an der Gemarkungsgrenze zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim montiert. In der ersten Jahreshälfte 2020 soll das 14.800 Quadratmeter große Kollektorfeld die sommerliche Wärmeerzeugung des Wärmenetzes der Stadtwerke übernehmen. Ein 2000 Kubikmeter fassender Wärmespeicher kann die Wärme je nach Bedarf tageweise zwischenspeichern.
"Zusammen mit dem bereits betriebenen Holzheizkraftwerk gehen wir mit der Anlage einen weiteren wichtigen Schritt zur Umstellung der kommunalen Wärmeversorgung von fossilen auf erneuerbare Energieträger", sagte Bodo Skaletz, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim am Donnerstag bei einem Vorort-Termin.
Wärmenetz stark ausgebaut
Skaletz unterstrich die Zielsetzung des kommunalen Unternehmens und der Stadt, eine möglichst klimaneutrale netzgebundene Wärmeversorgung weiter voranzutreiben. Innerhalb der vergangenen Jahre bauten die Stadtwerke das Wärmenetz stark aus, es hat derzeit eine Länge von 74 Kilometern.
Weitere Großprojekte in Halle, Bernburg und Potsdam
"Wärmenetze bieten sich für eine klimaschonende Versorgung an, denn sie können flexibel mit erneuerbaren Energien und Abwärme gespeist werden. Es braucht dann keine Einzelheizungen mit zu Hause sehr langen Austauschzeiten", unterstrich Thomas Pauschinger vom Steinbeis Forschungsinstitut Solites. Mit der Solarthermie stehe eine ausgereifte, flächeneffiziente und vielerorts verfügbare Klimaschutztechnologie zur Verfügung.
"Die Solarthermie ist in der Stadtwerke-Welt angekommen", so die Einschätzung von Pauschinger. Er verwies darauf, dass derzeit neben Ludwigsburg eine ganze Reihe weiterer großer Solarthermiefelder entsteht, welche in städtische Wärmenetze einspeisen. So wurde vergangene Woche in Halle eine Anlage mit 3 MW in Betrieb genommen. In Bernburg/Saale steht eine Anlage mit 632 Sonnenkollektoren kurz vor der Fertigstellung, die künftig 190 Haushalte mit grüner Fernwärme versorgen wird. Eine weitere große solarthermische Anlage wird auch in Potsdam gebaut.
Mittelfristig 15-prozentiger Anteil an der Fernwärme
Aktuell seien in Deutschland 64.091 Quadratmeter Kollektorfläche (45,1 MW) in Betrieb, 31.367 Quadratmeter (22 MW) in Planung bzw. Realisierung und weitere 124.853 Quadratmeter (87,4 MW) in Vorbereitung, sagte Pauschinger. In den kommenden Jahren sei somit von einer Verdreifachung der in Deutschland installierten solarthermischen Leistung auszugehen.
Mittelfristig geht Pauschinger von einem Solarthermieanteil an der Fernwärmeerzeugung von 15 Prozent aus. Hierfür wären in Deutschland eine Kollektorfläche von 30 Millionen Quadratmetern bzw. eine Leistung von 21 Gigawatt bis 2050 zu realisieren. Allerdings müssten hierfür die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen, unterstrich Pauschinger. "Das Klimapaket bringt in puncto solarthermisch gespeiste Wärmenetze wenig", sagte er im Gespräch mit der ZfK. Auch auf Länderebene, so in Baden-Württemberg, fehlten wirksame Anreize. (hcn)



