Wer tief in der Erdkruste nach heißem Wasser bohren will und damit später Strom und Energie für Tausende Haushalte gewinnen will, der braucht zuerst vor allem eines: viel Geld. Um die 14 Millionen Euro benötigt die bayerische Firma Geothermie Ammersee nach eigenen Schätzungen, um nahe Herrsching (Bayern) mit der ersten Bohrung beginnen zu können.
Den Betrag auftreiben will sie dabei auf neuem Weg, durch sogenanntes Crowdfunding, eine Art Schwarmfinanzierung. Beteiligen können sich prinzipiell alle Menschen, die 18 Jahre oder älter sind, sowie Unternehmen und Institutionen. Die Mindestbeteiligung liegt bei 5000 Euro.
Geothermie Ammersee: Vorbild Frankreich
Seit vergangener Woche ist die Aktion online zu finden. Allerdings stehen abschließende staatliche Genehmigungen noch aus. Deshalb können Investoren noch nicht verbindlich Anteile kaufen, sondern nur ihr Interesse bekunden. Wer sich aber jetzt schon melde, der werde bevorzugt behandelt, versichert das Unternehmen.
Crowdfunding-Aktionen sind in der Energiebranche keine Neuheit mehr. Auch in Deutschland wurden Solar- und Windparks auf diese Weise finanziert. Allerdings habe es bundesweit bislang kein einziges Crowdfunding für Geothermie-Projekte gegeben, sagt Sophie Birner, zuständig für das Marketing des Unternehmens. Anders in Frankreich: Im Ort Champs-sur-Marne nahe Paris kamen nach einer Sammelaktion für ein Geothermie-Projekt in der ersten Runde eine Million Euro zusammen. 283 Investoren beteiligten sich.
Crowdfunding: "Vielzahl" von Interessenten
Die Geothermie Ammersee will sich mit ihrer Aktion vorwiegend an Bürger aus der Region (Landkreise Starnberg, Weilheim-Schongau, München) richten. Wie viele sich bereits gemeldet hätten, will Birner aus datenschutzrechtlichen Gründen noch nicht verraten. Es handle sich aber um eine "Vielzahl". Darunter seien auch Interessenten, die sich mit mehr als 20.000 Euro beteiligen wollten. Selbst aus Frankreich, Großbritannien und den USA gebe es Anfragen.
Die Firma wirbt damit, bei Gelingen des Projekts jährlich bis zu 9000 Haushalte mit Strom und bis zu 1500 Haushalte mit Wärme versorgen zu können. Die Rendite für Anleger könnten dann nach Unternehmensschätzungen bei bis zu sechs Prozent liegen. Sollte es ganz anders kommen, strebt die Firma nach eigenen Angaben eine Versicherungslösung an, um das Geld der Investoren abzusichern.
Geothermie Ammersee hat vier Beschäftigte
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Firma bei ihrer ersten Bohrung fündig werde, liege bei 90 Prozent, sagt Birner. Heißt auch: Im für sie schlimmsten Fall scheitert das Projekt. "Dieses Risiko ist zwar da, aber sehr gering", wendet Birner ein. "Man muss auch mal ein bisschen mutig sein."
Gegründet wurde die Firma Geothermie Ammersee vom Herrschinger Josef Birner, der ansonsten Ferienwohnungen vermietet. Zurzeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben vier Beschäftigte. (ab)
