Auszeichnung der Pilotanlage in Biberach/Riss durch den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (2. von rechts), links der Initiator und frühere Südweststrom-Geschäftsführer Friedrich Weng

Auszeichnung der Pilotanlage in Biberach/Riss durch den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (2. von rechts), links der Initiator und frühere Südweststrom-Geschäftsführer Friedrich Weng

Bild: © HCN

"Um bei der Energiewende weiter voranzukommen, brauchen wir innovative Ideen. Und Menschen, die diese Ideen engagiert und konsequent umsetzen", betonte Untersteller am Montag im Rahmen der Besichtigung des hybriden Heizkraftwerks an der Hochschule der Polizei in Biberach. 

Es seien sowohl einzelne Personen als auch Gruppen, Institutionen, Verwaltungen oder Unternehmen, die Beispielhaftes, Erfolgreiches und Nützliches für die Energiewende leisteten, erläuterte der Minister. "Dazu gehört auch die Südweststrom, die das hybride Heizkraftwerk hier in Biberach initiiert und umgesetzt hat. Die Anlage ist ein hervorragendes Beispiel für klimafreundliche Strom- und Wärmeversorgung und darf sich daher völlig zu Recht als ‚Ort voller Energie‘ bezeichnen."

Untersteller dankte dem ehemaligen Geschäftsführer der Südweststrom und Treiber des Projekts, Friedrich Weng, für sein Engagement und überreichte ihm die Auszeichnungsplakette "Hier wird die Energiewende gelebt".

Prinzip eines virtuellen Stromspeichers

Das hybride Heizkraftwerk dient der Wärmeversorgung der Polizeihochschule und sorgt für den Ausgleich des öffentlichen Stromnetzes. Nach dem Prinzip eines hybriden Blockheizkraftwerks kann die benötigte Wärme alternativ durch Einsatz von elektrischer Energie in einer Wärmepumpe (350 kWth/90 kWel) beziehungsweise in einem Elektrokessel (400 kW) erzeugt werden oder über Kraft-Wärme-Kopplung mit den Gasmotoren der zwei in Biberach installierten Blockheizkraftwerke (je 500 kWth/400 kWel). Ergänzt wird dies durch einen Kaltwasserspeicher für die Wärmepumpe (500 m3), zwei Wärmespeicher (je 100m3) und einen Solaradsorber (500m3).

Wie bei anderen Stromspeicher-Systemen wird überschüssiger Strom aus dem öffentlichen Netz aufgenommen und in Zeiten hohen Bedarfs in das öffentliche Netz eingespeist. Das bei der elektrischen Wärmeerzeugung eingesparte Erdgas wird in der Erdgas-Infrastruktur gespeichert und bei Strommangel in den Blockheizkraftwerken der Hochschule zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Damit kann die schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen ausgeglichen werden.

Reingewinn von 120.000 Euro in 2018

In den ersten drei Jahren hat sich der Primärenergieeinsatz für den Strom- und Wärmebezug an der Polizeihochschule bei konstantem Bedarf um rund 38 Prozent reduziert. "Hochrechnungen lassen erwarten, dass der fossile Energiebedarf durch die Verwertung von regenerativen Stromüberschüssen bis zum Jahr 2050 um etwa 80 Prozent sinken wird", sagte Weng. Zum Vergleich brächten die üblichen wärmegeführten KWK-Anlagen gegenüber konventioneller Strom- und Wärmegewinnung eine Einsparung fossiler Primärenergie um 5 bis 15 Prozent.

Weng wies darauf hin, dass sich die im Jahr 2015 in Betrieb genommene Anlage auf der Landesliegenschaft rechnet und 2018 einen Reingewinn nach Kapitaldienst von rund 120.000 Euro erzielte. Ein wichtiger Faktor hierbei sei die intelligente Fahrweise mit einer Stromvermarktung am EPEX Spot Auktionsmarkt sowie die Absenkung der Rücklauftemperatur.

Mit rund 2,2 Mio. Euro investierte der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg in das ansonsten förderfreie Pilotprojekt. Die Betriebsstunden des BHKW lagen im vergangenen Jahr bei 2.900, die Leistungsziffer der Wärmepumpe bei 3,7.

Siebenmal effizienter als Power-to-Gas

Mit der Anlage wolle man die zunehmend wichtige saisonale Stromspeicherung voranbringen, das Beschaffungs- und Bilanzkreismanagement optimieren und sich so auch neue Geschäftsfelder erschließen, umschrieb Weng im Gespräch mit der ZfK die Motive des Engagements von Südweststrom. Die Anlage arbeite circa siebenmal effizienter als eine Power-to-Gas-Anlage. (hcn)

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