Bei der Umsetzung der Wärmewende sehen die Stadtwerke noch Luft nach oben. "Die Kommunen und kommunalen Unternehmen stehen vor Investitionsentscheidungen im dreistelligen Millionenbereich", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing beim Parlamentarischen Abend der Wärme Hamburg am gestrigen Donnerstag in Berlin. Der Verbandschef betonte, dass Unternehmen Planungssicherheit benötigen, um nun zügig die Weichen für die Wärmewende und damit den Klimaschutz stellen zu können.
Liebing appellierte an die Politik, das Förderprogramm "Bundesförderung effiziente Wärmenetze" bereits im Bundeshaushalt 2021 bzw. im Wirtschaftsplan des Energie- und Klimafonds mit einem Fördervolumen von einer Milliarde Euro pro Jahr auszustatten. Die Rahmenbedingungen für die kommunalen Unternehmen seien trotz einiger Verbesserungen im KWKG 2020 nach wie vor nicht ideal, kritisierte Liebing.
Heine: Politik muss mutiger vorangehen
Auch Christian Heine, Geschäftsführer der Wärme Hamburg, sprach sich für weitere "mutige Schritte", etwa bei der Förderung von Industrieabwärme und Biomasse zur Abdeckung von Lastspitzen aus, um auch die mittel- und langfristigen Klimaziele zu erreichen.
Wärme Hamburg gehört zu 100 Prozent der Stadt Hamburg, die nach der Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes im vergangenen Jahr auch das Fernwärmegeschäft wieder in die eigenen Hände genommen hat. Hamburg will bis zum Jahr 2050 komplett klimaneutral sein. Die Erzeugung von Fernwärme soll bereits 2030 komplett ohne die Verfeuerung von Kohle auskommen – ein ambitioniertes Ziel, wie auch Christian Heine betonte.
Abwärme nutzen
Bis 2025 soll das Kraftwerk Wedel abgeschaltet und durch den Energiepark Hafen ersetzt werden. Dort wird eine hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen-Anlage zum Einsatz kommen. Wärme Hamburg will klimaneutrale Abwärme von Industriebetrieben im Hafen aufbereiten und in das Fernwärmenetz einspeisen. Potenzial sieht Heine auch in der Wasserstofftechnologie. Die Steinkohleverfeuerung am Standort Tiefstack soll dann spätestens 2030 eingestellt werden.
Der Weg zum klimaneutralen Hamburg ist eine kostspielige Angelegenheit. Rund 750 Millionen Euro sollen nach aktuellem Stand in die "Energiewende 2025" investiert werden.
Pfeiffer: Politik hat Thema Wärme vernachlässigt
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer räumte bei der anschließenden Podiumsdiskussion ein, dass die Politik das Thema Wärme lange vernachlässigt habe. Auch er sieht Handlungsbedarf bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für die Wärmewende. Insbesondere das EEG sei über die Jahre zu einem regelrechten Innovationshemmnis geworden, dass die Sektorenkopplung ausbremse.
Beeindruckt von den Projekten von Wärme Hamburg zeigte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal. Er wünschte sich schlankere Prozesse und bessere Rahmenbedingungen für Start-ups, zu denen er in gewisser Weise auch Wärme Hamburg zählte. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine nicht mehr zeitgemäße Regulatorik die zukunftsweisenden Ideen und Konzepte junger Unternehmen verhindere.
Hamburg als Blaupause
Liebing äußerte die Hoffnung, dass der "Hamburger Weg" andere Kommunen zum Nachmachen ermuntert. "Hamburg hat die besten Voraussetzungen, zum Schaufenster der Wärmewende zu werden." (amo)


