Auch im Müllheizkraftwerk Bamberg laufen die Öfen auf Hochtouren.

Auch im Müllheizkraftwerk Bamberg laufen die Öfen auf Hochtouren.

© Nicolas Armer/dpa

In Bayern zeichnet sich ein Engpass bei der Müllverbrennung ab. Ein Großteil der Müllheizkraftwerke arbeite an oder über der Kapazitätsgrenze, sagten Verantwortliche der Entsorgungswirtschaft in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ursachen seien das Wirtschaftswachstum, eine unzureichende Mülltrennung und der Trend zu Einwegprodukten. Mehrere Verbrennungsanlagen nähmen deshalb keine Gewerbeabfälle mehr an. Die 14 Müllöfen im Freistaat müssen erst ihrem gesetzlichen Auftrag folgen und den Haushaltsmüll entsorgen. Erst wenn dann noch Kapazitäten frei sind, dürfen Abfälle aus Betrieben angenommen werden.

Verschärft wird die Lage laut Entsorgern, weil Müllöfen in Nord- und Westdeutschland vor allem wegen britischer Müllimporte überschüssigen Abfall nach Süddeutschland transportieren lassen. Der Preis pro Tonne Gewerbemüll habe sich in den vergangenen fünf Jahren von durchschnittlich 100 Euro auf rund 200 Euro pro Tonne verdoppelt. Daher ließen manche Entsorger ihre Abfälle inzwischen bis nach Dänemark oder Schweden fahren, wo die Annahmepreise deutlich niedriger seien.

Sorgen bereite den Entsorgern außerdem der Klärschlamm aus der Landwirtschaft, so der Geschäftsführer des Verbands der bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS), Rüdiger Weiß. Die 2017 in Kraft getretene neue Düngeverordnung schreibe höhere Grenzwerte vor. In der Folge dürften Bauern auf zwei Dritteln der Äcker keinen Klärschlamm mehr ausbringen. Der Rest lande nun ebenfalls in der Verbrennung. Enormes Einsparpotential ergäbe sich auch, wenn die in der Landwirtschaft eingesetzten Kunststofffolien, etwa auf Spargelfeldern, wiederverwendet würden, so Weiß.

Müllheizkraftwerke alt und anfällig

Zusätzlich seien die Müllheizkraftwerke im Freistaat vergleichsweise alt und deshalb störanfällig. Viele stünden vor Revisionsarbeiten immer wieder still. Probleme bekämen vor allem Handwerksbetriebe wie Dachdecker, bei denen sich Styropor und Bitumenbahnen aus der Gebäudesanierung ansammeln, sagt der stellvertretende Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs der Stadt Nürnberg (ASN), Reinhard Arndt.

In der Nürnberger Müllverbrennungsanlage, obwohl ursprünglich nur für eine Jahreskapazität von 205.000 Tonnen ausgelegt, werden derzeit 245.000 Tonnen verbrannt. "Wir sind voll bis Oberkante Unterlippe", sagte Arndt den "Nürnberger Nachrichten". (dpa/pm)

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