Sammelmenge A.R.T. 2018-2020: Die Einführung eines neuen Biomüll-Sammelsystems hat zu einer Steigerung der Mengen um 400 Prozent geführt.

Sammelmenge A.R.T. 2018-2020: Die Einführung eines neuen Biomüll-Sammelsystems hat zu einer Steigerung der Mengen um 400 Prozent geführt.

Grafik: © Witzenhausen-Institut

Am 17. März hat das Witzenhausen-Institut im Rahmen der Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T) seinen detaillierten Bericht zum System Biotüte vorgestellt. Das Institut mit Sitz in Hessen ist Spezialist in Sachen wissenschaftlicher Begleitung und Analyse von Prozessen in der Abfallwirtschaft.

Eines vorweg: Die Ergebnisse des Berichts zeigen klar, dass das Bringsystem in der Region Trier funktioniert und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Gleiches geht auch aus den internen Zahlen des Zweckverbandes hervor.

Umstellung der Gebühren

Bis Ende des Jahres 2019 wurden alle Restabfallbehälter im Verbandsgebiet des A.R.T. mit einem elektronischen Chip ausgestattet. Darüber hinaus wurden erstmalig deutliche Gebührenanreize zur Abfallvermeidung installiert. Allein im Monat Januar 2020 wurden insgesamt 640.000 Kilogramm Bioabfall mit der Biotüte gesammelt. In Prozenten und im Vergleich zum Januar 2019 ist dies ein Anstieg von 406 Prozent.

Mit den Prognosewerten für das Jahr 2020 ist der Zweckverband im Vergleich zu einer Biotonne insbesondere mit den zusätzlich erfassten annähernd 200 kg Grüngut je Einwohner gut aufgestellt und durchaus vergleichbar mit einem Holsystem.

Kostengünstige Erfassung

Der Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts Michael Kern hierzu: "Hochgerechnet können somit noch in diesem Jahr rund 8000 bis 10.000 Tonnen Bioabfall erwartet werden. Mit den Prognosewerten liegt der A.R.T. mit ca. 15 bis 19 kg/Einwohner und Jahr im mittleren Bereich der Erfassungsleistung für Nahrungs- und Küchenabfälle einer Biotonne (Mittelwert ca. 21 kg/Einwohner und Jahr)."  "Wir sind mit der Umstellung des Systems auf einem sehr guten Weg", so der stellvertretende Verbandsdirektor und Projektleiter Sebastian Lorig.

Bereits 2015 wurde die Getrenntsammlung von Bioabfällen zur Pflicht. Daher bestand für fast alle Gebietskörperschaften im Zuständigkeitsgebiet des A.R.T. die Notwendigkeit, eine Erfassungsmöglichkeit einzurichten. Die zuständigen politischen Gremien haben sich für die Einrichtung eines kostengünstigen Systems zur Erfassung der Speise- und Küchenabfälle als Ergänzung zum etablierten System der Grünguterfassung mittels Sammelplätzen entschieden. So kam es Anfang 2018 zur Einführung der Biotüte.

Von 80 auf 1000 Biogutcontainer

Von rund 80 Standorten an den bereits etablierten Grüngutsammelstellen, die der A.R.T. zu Beginn des Jahres 2018 mit Biogutcontainern bestückt hat, stieg die Anzahl bis Ende Februar 2020 auf rund 1000 Standorte mit über 1500 Biogutcontainern. Diese verteilen sich flächendeckend über das gesamte Gebiet des Zweckverbandes. So sind insgesamt 1544 Container im Einsatz (Stand: 28.2.2020). Das entspricht aktuell rund 340 Einwohnern pro Container. Dem A.R.T. ist allerdings auch bewusst, dass in manchen Regionen noch Nachholbedarf besteht. Hier befindet sich der Zweckverband in enger Abstimmung mit den zuständigen Gremien, die über eine Bestückung öffentlicher Plätze mit Biogutcontainern zu entscheiden haben.                          

Insgesamt wurde im vergangenen Jahr für die Biotüte eine sehr gute Biogutqualität festgestellt. Die Fremdstoffe lagen bei ca. einem Prozent. Verglichen mit der Biotonne im deutschlandweiten Schnitt (Analyse aus 2019) lagen dort die Fremdstoffe mit ca. drei Prozent deutlich höher. Auch der Anteil von Grüngut lag bei der Auswertung mit knapp 56 Prozent deutlich höher als in der Biotüte. Die Bioabfälle, die mit der Biotüte gesammelt werden, sind durch besonders hohe Anteile an Nahrungs- und Küchenabfällen und geringe Anteile an Grüngut gekennzeichnet. Diese Abfälle sind somit besonders gut für eine hochwertige Vergärung geeignet, da Nahrungs- und Küchenabfälle deutlich mehr Biogas erzeugen als Grüngut, so Kern. Der Weg für eine anschließende Kompostierung der Gärreste bleibt dabei unbenommen.

Immer mehr Verwertungsabfälle

Bereits kurz nach der Einführung des Identsystems Ende 2019 ließ sich eine deutliche Mengenverschiebung hin zu den Verwertungsabfällen feststellen. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres liegen die Altpapiermengen im Januar 2020 um 10 Prozent höher, der Anstieg bei den Verpackungsabfällen (Gelber Sack) liegt bei 13 Prozent und beim Sperrabfall bei 3,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden im Januar 2020 400 Prozent mehr Bioabfälle in den Biogutcontainern entsorgt. Gleichzeitig sind die Restabfallmengen um 16 Prozent gesunken. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass der geschaffene Anreiz zur Abfalltrennung und damit der Abfallvermeidung in der Region funktioniert. Auch die Zahlen für den Februar bestätigen diesen Trend, so Pressesprecherin Kirsten Kielholtz.

Im Rahmen der Verbandsversammlung am 17. März wurde die Fortführung der wissenschaftlichen Begleitung durch das Witzenhausen-Institut beschlossen, um die weitere Entwicklung des Systems in allen Gebietskörperschaften professionell und unabhängig bewerten zu lassen. (hp)

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