Neben Reifenabrieb gelangen Mikroplastikpartikel auch über Kosmetika und Reinigungsmittel in den Wasserkreislauf.

Neben Reifenabrieb gelangen Mikroplastikpartikel auch über Kosmetika und Reinigungsmittel in den Wasserkreislauf.

Bild: © Stefan Sauer/dpa

Mit einer Bundesratsinitiative geht Hamburg gegen die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika vor. Gemeinsam mit Thüringen will der Stadtstaat am Freitag einen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen, der das Aus für Kunststoffpartikel in Reinigungs-, Hygiene- und Kosmetikprodukten fordert, sagte der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Mittwoch in Hamburg. "Es wäre viel einfacher, wenn die Hersteller endlich auf Mikroplastik verzichten würden. Freiwilligkeit hat hier bislang wenig bewirkt, deshalb wollen wir jetzt über den Bundesrat ein Verbot der Kunststoffteilchen in Kosmetika erreichen."

Kleinste Plastikperlen in Kosmetika seien eine unterschätzte, aber tückische Gefahr für die Umwelt, sagte Kerstan. "Sie sind oft so winzig, dass die heutigen Kläranlagen sie nicht vollständig herausfiltern können. Eine Umrüstung wäre teuer und müsste von den Wasserkunden finanziert werden."

Kosmetik ist nicht der Hauptemittent

Über Abwässer und Klärschlämme gelange das Plastik in Gewässer und Böden. "Über Aufnahme durch Lebewesen wird es Teil der Nahrungskette und damit auch zu einer Belastung der menschlichen Nahrungsgrundlagen sowie möglicherweise der menschlichen Gesundheit", heißt es in dem Antrag.

Nach einer Schätzung des Fraunhofer-Instituts werden in Deutschland pro Jahr etwa 330.000 Tonnen Mikroplastik freigesetzt. Der Anteil aus Kosmetik-Produkten ist demnach aber vergleichsweise gering. In der Liste der stärksten Mikroplastik-Quellen finden sie sich erst auf Platz 17. Die mit Abstand meisten Mikroplastikteilchen entstehen durch den Abrieb von Reifen. Laut Umweltbehörde gelangen durch Kosmetikprodukte aber immer noch pro Jahr rund 922 Tonnen festes Mikroplastik in die Kanalisation.

Mehr Druck aufbauen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz begrüßt die geplante Initiative im Bundesrat und bekräftigt die Notwendigkeit eines nationalen Verbots von synthetischen Produkten. Allerdings bemängelt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des Bundes Hamburg, dass die Hansestadt keine konkrete Zeitvorgabe für die Prüfung des Verbots durch die Bundesregierung macht. "Wir brauchen jetzt deutlich mehr Druck, damit auch die Industrie dazu gezwungen wird, kurzfristig Produkte ohne Kunststoffzusätze zu entwickeln", so Braasch.

Mit Beiersdorf und Unilever haben zwei der weltweit größten Kosmetikhersteller ihren Konzern- beziehungsweise Deutschland-Sitz in Hamburg. Beide arbeiten an umweltfreundlichen Ersatzstoffen: Beiersdorf (Nivea, Eucerin) hat nach eigenen Angaben 2013 entschieden, Polyethylen-Partikel in den Pflegeprodukten durch weniger umweltschädliche Alternativen auszuwechseln. Seit 2015 seien die Partikel überwiegend durch mikrokristalline Cellulosepartikel sowie Mischungen aus mikrokristalliner Cellulose, Siliciumdioxidpartikeln oder Rizinuswachs ersetzt, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Kein festes Mikroplastik seit 2015

Cellulose sei ein biologisch abbaubares organisches Material, Siliciumdioxid ähnele in seiner chemischen Zusammensetzung dem Quarzsand und Rizinuswachs sei ebenfalls ein biologisch abbaubarer Rohstoff. Bis 2020 sollen den Angaben zufolge auch in abwaschbaren Produkten – Shampoos, Duschgels – feste synthetische Polymere ersetzt werden. Der Unilever-Konzern (Dove, Duschdas) nutzt nach eigenem Bekunden seit Anfang 2015 weltweit kein festes Mikroplastik mehr. Um die gewünschten kosmetischen Effekte zu erreichen, werden Inhaltsstoffe aus Aprikosenkernen, Maismehl, gemahlenem Bimsstein, Siliciumdioxid und Walnussschalen gewonnen, schreibt der Hersteller im Internetauftritt. (ls/dpa)

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