Die Wirtschaft fordert mehr Engagement hinsichtlich des Recyclings.

Die Wirtschaft fordert mehr Engagement hinsichtlich des Recyclings.

Bild: © Stefan Puchner/dpa

Die 280.000 Mitarbeiter der Entsorgerbranche zählen – das kann gar nicht oft genug betont werden – zu den „Helden des Alltags“. Wie geht es nun weiter? Dazu hat die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) eine Studie sowohl für den Hausmüll als auch den Gewerbeabfall erstellt.

Beim Hausmüll wird für April eine Mengensteigerung von etwa 20 Prozent angenommen. (Basisvergleichsjahr ist bei allen Angaben 2017). Ursache sind vor allem die Ausgangsbeschränkungen mit Homeoffice, mehr Catering-Abfällen und die Entsorgung von Produkten, die eigentlich auf die derzeit meist geschlossenen Wertstoffhöfe gehören.

Hausmüll: Kurzarbeitergeld ist entscheidend

Die zunehmenden Lockerungen des Shutdown führen nach Prognosen der DGAW dazu, dass die Zunahme beim Hausmüll im Mai bei 18 Prozent, im Juni bei 10 Prozent (Restaurants und Hotels öffnen wieder) und bis Ende September bei 8 Prozent (viele Deutsche machen im Inland Urlaub) liegen. Im 4. Quartal dürften sich die Mengen dem Basisniveau des Jahres 2017 annähern. Insgesamt ergibt sich im Gesamtjahr eine Mengensteigerung beim Hausmüll von 5,06 Prozent. Die Auswirkungen werden in diesem Jahr also „nicht sehr signifikant sein“, heißt es in der Studie.

Für die weitere Entwicklung des Siedlungsabfalls spielt das Konsumverhalten der Bevölkerung die entscheidende Rolle. Und diese ist insbesondere von der Entwicklung des Kurzarbeitergeldes abhängig. Angesichts von 2,35 Mio. Kurzarbeitern (Prognose der Bundesregierung) – das sind doppelt so viele wie in der Finanzkrise 2009 – muss bei Beibehaltung des bisherigen Niveaus beim Kurzarbeitergeld von 60 (67 mit Kindern) Prozent mit einem Rückgang im Konsumverhalten in den Folgejahren und damit mit einem Rückgang der Siedlungsabfallmengen gerechnet werden. Sollte das Kurzarbeitergeld – wie derzeit im Gespräch – auf 80 (87 mit Kindern) Prozent oder gar 95 Prozent angehoben werden, dann fallen die Folgen für das Konsumverhalten der Bevölkerung laut DGAW und damit auch für den Hausmüll kaum ins Gewicht.

Konjunkturentwicklung beeinflusst Gewerbeabfall

Anders ist die Situation beim Gewerbe- und Industrieabfall. Denn die Mengen sind erheblich abhängig von der Konjunkturentwicklung. Für 2020 hat die DGAW als Best Case die Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Rückgang des BIP um 7 Prozent und als Worst Case ein Szenario des ifo Instituts mit einem Rückgang des BIP von 10 Prozent herangezogen. Danach würden die Abfälle aus Industrie und Gewerbe analog um 7 Prozent (IWF) beziehungsweise um 10 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 niedriger liegen.

Für die darauffolgenden Jahre gehen die Prognosen für die BIP-Entwicklung ebenfalls weit auseinander. Deshalb hat die DGAW wieder ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario errechnet. Im besten Fall wird 2022 wieder das Niveau von 2017 erreicht. Im schlechtesten Fall erreicht das Gewerbeabfallaufkommen auch 2023 noch nicht das alte Niveau. Erst im Jahr 2026 würden die Mengen aus dem Ursprungsjahr 2017 wieder leicht übertroffen.

Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen

Für die Entsorger von Gewerbeabfällen sind aber nicht nur die wegbrechenden Mengen ein Problem. Auch Forderungsausfälle bei Kunden angesichts der prognostizierten steigenden Insolvenzzahlen erschweren die Situation. Dazu kommen noch die Herausforderungen durch die Umsetzung der Novellierung der GewerbeabfallV, heißt es in der Studie. Dies alles wird nach Ansicht von DGAW wahrscheinlich dazu führen, dass Investitionen in Anlagen im Einzelfall zurückgestellt werden oder in der Kapazität überdacht werden. (hp)

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