Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) ist für die Umsetzung des zu Beginn dieses Jahres in Kraft getretenen Verpackungsgesetzes (VerpackG) zuständig. Die schärfere Überwachung der Dualen Systeme und der Inverkehrbringer zeigt bereits erste Erfolge: Während die lizenzierten Mengen bei Leichtverpackungen bereits um fünf Prozent angestiegen sind, verbuchen PPK-Verpackungen (Papier, Pappe, Kartonagen) bereits einen Anstieg von zwölf Prozent, so das positive Zwischenfazit von Gunda Rachut, Leiterin der ZSVR, auf dem Bundeskongress der kommunalen Abfallwirtschaft und Stadtreinigung am Mittwoch in Berlin.
Trotz erster Erfolge muss nun an einer anderen Stellschraube gedreht werden, um die Kreislaufwirtschaft ökologisch und ökonomisch zu verbessern. "Für eine echte Krauslaufwirtschaft fehlt im System Geld", betont Rüdiger Siechau, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtreinigung Hamburg, und weiter: "Wir haben Zeiten gehabt, da war Öl billiger als Wasser, da hat es relativ wenig Sinn gemacht, Recyclate zu erzeugen und wieder in den Verkauf zu bringen. Darin liegt das Dilemma: Wir geben in Hamburg sehr viel Geld aus, um Recyclate herzustellen, aber warum sollten wir als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger so viel Geld investieren, nur um zu zeigen, dass Kreislaufwirtschaft funktionieren kann?!"
Duale Systeme sind Lieferanten von Recyclaten
Hier sei aus Sicht von Siechau der Gesetzgeber gefragt. Er fordert eine Bonus-Malus-Regelung, um die Nutzung fragwürdiger Plastikarten einzugrenzen und gleichzeitig den Recyclateinsatz zu fördern. Auch Christoph Heller, Mitglied der Geschäftsleitung und Prokurist Leiter Supply Chain beim Grünen Punkt (Duales System Deutschland) sieht die öffentliche Hand in der Pflicht Vorreiter für "Green Sourcing" zu werden.
Rachut wiederum nimmt für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und die Steigerung des Recyclateinsatzes nicht nur die Hersteller in der Pflicht: "Das Verpackungsgesetz hat die Rolle der Systembetreiber neu definiert. Sie sind nun nicht mehr nur für die Entsorgung der Verpackungsabfälle zuständig, sondern sind Lieferanten für Recyclate." Hersteller würden ihr Verpackungsdesign nur umstellen, wenn sie sich darauf verlassen können, dass die Recyclate langfristig und zuverlässig vorhanden sind. Dementsprechend müssten die Dualen mit der Verpackungsindustrie zusammenarbeiten und die Entsorgung so optimieren. So ließen sich dann auch die verschärften Recyclingquoten erfüllen.
Inverkehrbringer als Einflussnehmer
Dass die gesamte Wertschöpfungskette zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft beitragen kann, zeigt die Schwarz-Gruppe, zu der die Supermarktketten Lidl und Kaufland gehören. Die Gruppe hat eine Plastikstrategie eingeführt, um den Materialeinsatz und damit das Müllaufkommen zu reduzieren. "Wir haben es als Händler in der Hand mitzubestimmen, wie die Verpackungen gestaltet sind, denn wir haben die Chance mit Herstellern und Zulieferern zu verhandeln," betont Dietmar Böhm, Geschäftsführer der Greencycle Holding, die als Entsorgungs- und Recyclingunternehmen zur Holding gehört. (ls)

